686 Räumliche Gesichtsvorstellungen. barte Netzhautpunkte im Durchschnitt häufiger von objectiv gleichen, ent¬ ferntere von objectiv verschiedenen Reizen getroffen werden, so erblickt Lipps hierin ein Motiv für die Zusammenordnung benachbarter und die Sonderung entfernter Punkte. Aber erstens ist eine Proportionalität zwischen Entfernung der empfindlichen Punkte und Verschiedenheit des Lichteindrucks, wie sie hier vorausgesetzt werden müsste, um die Genauigkeit der extensiven Raum¬ messungen zu erklären, schwerlich vorhanden, und zweitens bleibt nicht be¬ greiflich, wie die Beziehung objectiv gleicher Eindrücke auf benachbarte und verschiedener auf entfernte Netzhautstellen anders geschehen sollte als durch irgend welche Merkmale, die an die Netzhautpunkte selbst geknüpft sind, da sonst, wenn einmal die Vertheilung der Lichtreize dieser gewohnheitsmäßigen Anordnung nicht entspräche, die Eindrücke verkehrt localisirt werden müssten. Auch dieser Theorie scheint —• darin ist sie wohl der nativistischen verwandt — eine gewisse Abneigung gegen den in den älteren Theorien oft stark über¬ triebenen Einfluss der Bewegungen des Auges zu Grunde zu liegen. Dem gegenüber muss jedoch betont werden, dass die ausschließliche Betrachtung des Auges als eines optischen Apparates nicht minder einseitig ist. »Netz¬ hautbild« und »Bewegungsbild« zusammen erzeugen eben erst das wirkliche Bild des Gegenstandes. Die Art und Weise, wie beide in einander greifen, kann aber nur mittelst der experimentellen Analyse der Gesichtswahrnehmun¬ gen selbst näher bestimmt werden, wie dies oben versucht wurde. (Das Schlns s cap it el des dritten Abschnitts folgt im dritten Bande.) Druck vcn Breitkopf & Härtel in Leipzig.