Hume’s Lehre vom Wissen. Von Paul Linke. I. Einleitung. Hume und die Philosophie der Hegenwart. Die folgende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, einige principielle Gedankengänge in David Hume’s erkenntnisskritischen Abhand¬ lungen der psychologischen Erörterung zu unterwerfen. Dadurch ist sie bereits nach zwei Seiten hin charakterisirt. Zunächst ist die Aufgabe, die sie sich gestellt hat, historischer Art : sie will bestimmte Probleme, besser gesagt die Lösungsversuche bestimmter Probleme, die sich in einem der Geschichte angehörigen Gedankensysteme vor¬ finden, ihrer Entstehung und historischen Entwicklung nach ver¬ folgen, dann aber will sie — und das ist ihre zweite und vornehmste Aufgabe — an diese Versuche vom Standpunkte wissenschaftlicher Kritik aus herantreten. Damit ist freilich noch eine weitere Voraus¬ setzung gemacht: die nämlich, dass das zu Behandelnde wirklich mehr als ein bloß historisches Interesse verdient, dass es, mit an¬ deren Worten, mit der gegenwärtigen Wissenschaft noch unmittelbar Fühlung zu nehmen vermag, dass also zum mindesten die allgemeinen methodologischen Voraussetzungen dieselben sind. Es war schon oben von einer psychologischen Erörterung die Rede. Damit ist für Jeden, dem Hume bekannt ist, schon gesagt, dass ihm in methodologischer Hinsicht nicht widersprochen werden soll. In Hume’s meisterlicher psychologischer Thatsachenanalyse liegt seine eigentliche Größe und damit eben auch seine Bedeutung für die Gegenwart. Und je mehr sich jetzt die Ansicht durchzuringen beginnt, dass die philosophischen Einzeldisciplinen und insbesondere die Erkenntnisstheorie einer psy¬ chologischen Fundirung nicht entrathen können, um so mannigfaltiger werden zweifelsohne die Beziehungen werden, welche die neueste For¬ schung mit Hume verbinden. Jedenfalls ist die wissenschaftliche