Zur Theorie der Combinationstöne. Von Felix Krueger. Einleitung. Im vorigen Bande dieser Zeitschrift (59, 307ff., 568ff.)1) berichtete ich über eine Reihe von Beobachtungen an Stimmgabelzweiklängen. Ich habe jetzt die historischen und theoretischen Zusammenhänge anzugehen, denen die beobachteten Thatsachen sich einfügen. Die physiologische Akustik befindet sich gegenwärtig in einer lebhaften Bewegung. Am meisten umstritten ist die physiologische Entstehung der Combinationstöne; dieses Problem ist von entschei¬ dender Bedeutung für die Theorie des Hörens überhaupt. Das ist der Gesichtspunkt, unter dem die vorliegende Studie steht. Es sollen zunächst von den bisher vorliegenden Angaben über die Combinations- erscheinungen alle wichtigeren zusammengestellt und kritisch ver¬ glichen werden (Capitel I und II). Danach wird der Streit der Theorien zu erörtern sein. Wie verhalten sich die bisher versuchten Zusammenfassungen und Erklärungen zu den Thatsachen? Welche Conseqüenzen ergeben sich aus den Beobachtungen über Combinations¬ töne und verwandte Erscheinungen für die physiologische Akustik?2). 1) Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die Nummern des ange- hängten Litteraturverzeiehnisses. 2) Die am Schlüsse meiner vorigen Arbeit (59, S. 623; vgl. 311) angekün¬ digte Untersuchung über das Consonanzproblem wird den Gegenstand einer be¬ sonderen, dritten Abhandlung bilden. Die Frage, welche Bedeutung die that- sächlich festgestellten Combinationserscheinungen für den psychologischen Eindruck der Klänge, besonders für die Consonanz und Dissonanz besitzen, ist unabhängig von der physiologischen Erklärung dieser Erscheinungen. Wundt, Philos. Studien. XVII. 13