Zur Psychophysiologie der Mundhöhle. Yon F. Kiesow. Mit 3 Figuren im Text. In meiner Abhandlung »Ueber die Wirkung des Cocains und der Gymnemasäure auf die Schleimhaut der Zunge und des Mundraums« ’) habe ich auf eine Stelle der Wangenschleim¬ haut hingewiesen, welche sich mir hei mechanischer Beizung durch Nadelstiche als völlig schmerzfrei erwies. Durch M. von Frey ist dieser Befund bestätigt worden1 2). Derselbe konnte aber weiter zeigen, dass die betreffende Stelle auch bei tetanischer Beizung mit der Drahtelektrode durch den faradischen Strom schmerzfrei ist. Seine eigenen Worte hierüber lauten: »Man kann hier den Strom so verstärken, dass die Muskeln der Wange in heftigsten Tetanus gerathen und die Erregung bis in den Oberkiefer ausstrahlt, ohne dass eine Spur von Schmerzhaftigkeit an der Applicationsstelle der Elektrode auftritt«3). In der der That ist der von Frey’sehe Versuch sehr geeignet, die Unem¬ pfindlichkeit dieser Stelle für elektrische Schmerzreize in auffälligster Weise hervortreten zu lassen. 1) Philos. Studien, Bd. IX. S. 510 ff. 2) M. von Frey, Beiträge zur Physiologie des Schmerzsinnes. Berichte d. math.-phys. Classe d. königl. sächs. Gesellsch. d. Wiss. zu Leipzig. Sitzung vom 2. Juli 1894. S. 196. 2. Mitth. S. 180. — (In der Folge sind die hier veröffent¬ lichten Arbeiten von Frey’s einfach als »Ber. etc.« citirt.) 3) M. von Frey, Ber. etc. Sitz. v. 3. Dec. 1894. S. 293.