Ueber das Ansteigen der Netzhauterregungen. Von Ernst Dürr. Mit 4 Figuren im Text. Es ist eine seit längerer Zeit bekannte Thatsache, dass die Licht¬ empfindungen, welche durch einen Reiz von constanter Intensität er¬ regt und unterhalten werden, nicht während der ganzen Dauer ihres Daseins unverändert dieselben bleiben, dass sie vielmehr eine gewisse Zeit lang an Stärke zunehmen bis zu einem Moment, in dem das Maximum der bei dem betreffenden Reiz überhaupt möglichen Er¬ regung erreicht wird, und dass sie dann bei noch längerer Ein¬ wirkungsdauer des Reizes wieder schwächer werden. Ueber den Verlauf des »Ansteigens« der Lichtempfindungen sind eingehendere Untersuchungen bisher besonders durch Exner1) und Kunkel2) angestellt worden, während die Curve des Abnehmens einer übermaximalen Erregung zuerst durch C. Er. Müller3) fest¬ gestellt wurde. Seitdem sind die Thatsachen der Herabsetzung der Empfindungsintensität bei längerer Einwirkung der Lichtreize öfters, namentlich in Arbeiten über Nachbilderscheinungen4), mit denen sie ja in engster Beziehung stehen, berücksichtigt worden, während den Phänomenen des Ansteigens der Lichtempfindungen nicht die gleiche Aufmerksamkeit zu Theil wurde. 1) S. Exner, Ueber die zu einer Gesichtswahrnehmung nöthige Zeit. Wiener Sitzungsber. d. k. Ges. d. W. 1868 S. 601 ff. 2) A. Kunkel, Ueber die Abhängigkeit der Farbenempfindung von derZeit. Pflügers Archiv Bd. IX, S. 197 ff. 3) 0. Fr. Müller, Versuche über den Verlauf der Netzhautermüdung; Diss. Zürich 1866. 4) Vergl. den geschichtl. Abriss der hierher gehörigen Untersuchungen bei W. Wirth, Der Fechner-Helmholtz’sche Satz über negative Nachbilder und seine Analogien. Philos. Studien. XVI, S. 465 ff.