Experimentelle Beiträge zur Gefühlslehre. Yon Max Brahu. Mit Tafel VII u. VIII. I. Theil. Die Richtungen des Gefühls. I. Die Entstehung des Problems der Gefühlsrichtungen. Es hat sich in neuester Zeit gezeigt, dass eines der hauptsäch¬ lichsten Hindernisse für die gedeihliche Entwicklung der Psychologie des Gefühls die stets als selbstverständlich angenommene Meinung war, nur Lust und Unlust seien die Richtungen, in denen sich unsere Gefühle bewegen. In ihrem Studium sah man daher das Studium des Gefühls beschlossen. Es scheint einer der folgenreichsten Schritte auf dem Gesammtgebiet der Gefühlsuntersuchungen zu sein, dass Wundt an die Stelle der einfachen Gefühlsrichtungen Lust-Unlust eine Dreiheit von Gefühlsrichtungen gesetzt hat. Er nennt dieselben Lust-Unlust, Erregung-Beruhigung, Spannung-Lösung. Es schien eine monographische Behandlung dieses Themas um so mehr angebracht, als diese Dreitheilung noch nicht genügend beachtet worden ist, da ihr die psychologisch-experimentelle Durcharbeitung noch fehlte. Wir werden nach einer kurzen Geschichte des jungen Pioblems die psychologischen Untersuchungsmethoden behandeln, welche uns zur Klärung der Frage verwendbar erschienen. Es wird sich dabei zeigen, dass die psychologische Beobachtung in den phy¬ siologischen Begleiterscheinungen der Gefühlsrichtungen eine feste Stütze findet. Es wird daher, um alle Missverständnisse auszuschlies- sen, eine allgemeinere Betrachtung darüber anzustellen sein, welche Bedeutung für den Psychologen die Ausdrucksbewegungen haben, und in wie fern sie die Theorie und die psychologischen Ergebnisse zu stützen vermögen. Dann werden als directe Einführung in dieses