Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 493 auch die einfache Reflexion und unmittelbare Wiedergabe aus den angegebenen Gründen zu einer Detailanalyse der unklareren Region und einer herauf gegründeten Umfangsbestimmung nicht ausreicbt, so ermöglicht sie doch eben die Feststellung der allgemeinen Gliede¬ rung des Bewusstseins überhaupt nach den verschiedenen Klarheits¬ graden, was für die Lösung unseres Problems besonders wichtig ist. Denn auch alle indirecten Methoden, wie sie unten in Cap. 3 u. 4 zur Sprache kommen, führen doch schließlich auf eine solche Ueber- legung über diese Gliederung nach Bewusstseinsgraden zurück, welche nur durch die einfache Reflexion geleistet werden kann. Somit gibt diese sogenannte Selbstbeobachtung erst die nähere Formulirung des allgemeinen Problems einer Bestimmung des Bewusstseinsumfangs mit seinen verschiedenen Regionen an die Hand. Hierbei zeigt sich vor allem noch, dass die Gegenüberstellung einer apperceptiven und perceptiven Region nicht etwa bloß als eine einfache Zweitheilung des Bewusstseins zu denken ist. Innerhalb des simultanen Ganzen sind jederzeit mehrere Stufen der Beachtung und der Klarheit neben einander möglich1), je nach der größeren oder geringeren Zahl von Einheitsbildungen, auf welche sich das Subject augenblicklich im un¬ mittelbaren Erleben bezieht. Wenn auch unter Umständen in einer Art von Zweitheilung eine ziemlich gleichmäßig beachtete Region einem ähnlich gleichmäßig unbeachteten »Hintergründe«, bezw. einer »Peripherie« des Bewusstseins gegenüherstehen kann, so bezeichnet doch der Begriff der Apperception mehr eine allgemeine Richtung des Processes, welcher innerhalb des ganzen Blickfeldes an verschie¬ denen Stellen in ungleicher Vollkommenheit durchgeführt ist, so dass sich das Bild eines Reliefs mit verschieden vertheilten Höhenlagen besonders gut zur Versinnlichung dieses Thathestandes eignet, in welchem die Gliederung der Grundfläche den Vorstellungen, die Höhe den Graden der Klarheit oder des Stadiums jenes Processes entspricht. Daher ist auch die Bezeichnung dieser Höhe als »Be¬ wusstseinsgrad« für die kurze Darstellung dieser möglichen Mannig¬ faltigkeit der Klarheitsvertheilung besonders geeignet. Damit er¬ fährt dann natürlich auch der Versuch einer Wiedergabe des gesammten Bewusstseinsumfanges eine weitere Präci- 1) Wundt, a. a. O.