Beiträge zur Psychologie des Traumes. Von W. Weygandt. Würzburg. Mit 3 Figuren im Text. Die Lehre vom Traum hat im Lauf der letzten Jahre, ungeachtet einer Fülle von Arbeiten, die sich mit diesem Gebiet beschäftigten, nur geringe Fortschritte gemacht. Vom streng psychologischen Stand¬ punkt freilich werden diese Fragen im Ganzen nur selten untersucht. Vielleicht ist auf diese Abneigung der Psychologen gegenüber den Problemen des Traumes jene scharfe Formulirung der psychologischen Methoden nicht ohne Einfluss gebliehen, welche Wundt betont, in¬ dem er nur zwei exacte Methoden anerkennt: das Experiment, das die Analyse der einfacheren psychischen Vorgänge ermöglicht, und die Beobachtung der allgemein gültigen Geisteserzeugnisse, die der Unter¬ suchung der höheren psychischen Vorgänge und Entwicklungen, spe- ciell im Bereich der Völkerpsychologie, dient. Wenn indess die Be¬ rechtigung der reinen Beobachtung innerhalb der Psychologie des Individuums doch behauptet wird, so lässt sich dies kaum eindring¬ licher belegen als durch den Hinweis auf die Fragen des Traums. Auch die wenigen Versuche, auf dem Wege des Experiments Auf¬ schluss über die Verhältnisse des Traums zu erhalten, entsprechen nur in sehr eingeschränktem Maße den Anforderungen, die wir sonst an ein experimentelles Verfahren zu stellen pflegen. Wohl versuchten jene Experimente eine willkürliche Beeinflussung der Traumvorgänge herbeizuführen, aber von einer quantitativen Abstufung des Reizes, die zu dem jeweiligen Stand der durch den Schlaf veränderten Reiz¬ schwelle in Beziehung gestanden hätte, war ebensowenig die Rede,