Philosophie der Theologie. Yon Karl Thieme. Leipzig. Die philosophische Disciplin, die Wundt seihst noch mit dem herkömmlichen Namen »Religionsphilosophie« zu bezeichnen pflegt, soll nach seiner Auffassung der Philosophie — die ich von ihm zu¬ erst im Wintersemester 1883/84 in der Vorlesung über »Logik und wissenschaftliche Methodenlehre« gelernt habe — eine Philosophie der Theologie sein. Ausdrücke wie Philosophie der Physik, der Geo¬ logie, der Physiologie können nach »Einleitung in die Philosophie« S. 85 nicht beanstandet werden, falls dadurch wirklich eine Behand¬ lung angedeutet werden soll, welche die einzelnen Probleme in einen allgemeineren Zusammenhang bringt. Wie nun schon Külpe in seiner »Einleitung in die Philosophie«, 1. Aufl. S. 102, der Religions¬ philosophie den Beruf bestimmt hat, eine Philosophie der Theologie zu sein, und in der zweiten Auflage S. 97 wiederholt, der Haupt¬ sache nach erscheine sie als eine Philosophie der Religionswissen¬ schaft, also auch der (positiven) Theologie, so möchte auch ich unter diesem Titel »Philosophie der Theologie«, von den Gedanken Wundt’s ausgehend, die er ausdrückt, einige methodologische Bemerkungen über das Verhältniss von Philosophie und Theologie, Wissen und Glauben, theoretischer und praktischer Aufgabe der Philosophie machen. Die Theologie berücksichtigt schon Wundt’s Abhandlung »Ueher die Eintheilung der Wissenschaften« im 5. Band der »Philosophischen Studien«. In dem Schema der Geisteswissenschaften erscheint da unter den Wissenschaften von den Geisteserzeugnissen die »systema¬ tische Theologie«. Vorher wird »Religionslehre oder systematische