324 G. Störring. können wir dabei allerdings eine einzelne Vorstellung im Bewusstsein constatiren, aber diese trägt nicht den postulirten allgemeinen Cha¬ rakter, den Charakter eines schematischen Totalbildes. Wundt sucht den Charakter solcher Vorstellungen auf folgende Weise zu bestimmen: »Sobald wir einen Begriff denken, steht zunächst das ihn bezeichnende Wort im Vordergrund unseres Bewusstseins; eine Vorstellung, die als Bild der unter dem Begriff enthaltenen Dinge gelten könnte, fehlt entweder ganz oder sie ist so dunkel, dass wir etwas bestimmtes über sie nicht auszusagen im Stande sind. Aber ursprünglich muss dies nothwendig anders gewesen sein, da, wie innig man sich auch die Verbindung zwischen Begriff und Wort denken mag, ein Anfang der Begriffsentwicklung gegeben sein musste, bevor der bezeichnende Laut sich feststellte. Schon die zahlreichen Synonyma, die, wie die Ge¬ schichte der Sprache lehrt, in den Anfängen der Sprachentwicklung für jeden Begriff auftauchten und allmählich erst einem einzigen oder einigen wenigen Platz machten, weisen auf eine minder feste Ver¬ bindung zwischen Wort und Begriff hin, bei der zugleich das sprach¬ liche Symbol im Verhältnis zur bezeichneten Vorstellung eine ge¬ ringere Stärke besitzen musste. Es gibt vielleicht nur einen einzigen Fall, wo sich unser Bewusstsein noch jetzt in dieser einen Beziehung in einem ähnlichen Zustande befinden kann, wie er vor der Sprache vorauszusetzen wäre: wenn wir uns nämlich an einen gegenständlichen Begriff erinnern, ohne uns auf das zugehörige Wort zu besinnen. Bei dem Wort Locomotive z. B. steht dieses im Blickpunkt des Be¬ wusstseins und nebenbei befindet sich in den dunkleren Regionen desselben ein Bild des Gegenstandes. Wenn wir uns jedoch den Letzteren ins Gedächtniss rufen, ohne an das Wort zu denken, so steht jenes Bild in deutlicheren Umrissen vor uns. Aber nichts unter¬ scheidet dieses auf den allgemeinen Erfahrungsbegriff bezogene Bild von irgend einer anderen Erinnerungsvorstellung : weder bemerkt man eine besondere Unbestimmtheit der Umrisse, noch ein Zerfließen in eine Reihe einzelner Vorstellungen«1). Wir haben es hier also mit einer Einzel Vorstellung zu thun; sie Pfrnn nur dadurch im entwickelten Bewusstsein directer und unbe¬ stimmter als andere Einzelvorstellungen sein, weil sie von der Wort- 1) Wundt, Logik I, S. 45.