120 Gotti. Friedr. Lipps. Zuerkennen oder Absprechen ist ein positives oder negatives Urtheil. Die angegebene Bestimmung des Gegenstandes vollzieht sich somit in positiven und negativen Urtheilen. Da zu den in einen Verein zusammengefassten Bestimmungen noch weitere, die dem nämlichen Vereine zugehören, hinzutreten können, so ist zwischen vollständiger und unvollständiger Bestimmung eines Denkgegenstandes zu unterscheiden. Ein Gegenstand ist voll¬ ständig bestimmt, wenn von jeder überhaupt vollziehbaren Bestim¬ mung feststeht, oh sie dem Gegenstände zukommt oder nicht zu¬ kommt. In den Urtheilen, welche dies entscheiden, bietet sich die von dem Gegenstand vorhandene Erkenntniss oder der Begriff des Gegenstandes dar. Ein vollständig oder unvollständig bestimmter Gegenstand ist daher ein vollständig oder unvollständig erkannter oder begriffener Gegenstand. Hiernach ist die Zusammengehörigkeit und Vereinbarkeit von Bestimmungen als eine durch das Erkennen oder Begreifen bedingte zu bezeichnen. Je nach den Zielen und Bedürfnissen des Erkennens werden demgemäß verschiedene Motive zur Bildung und Abgrenzung der in den Gegenständen vorhegenden Vereine von Bestimmungen maßgebend sein. Es sind anderseits selbständig und unselbständig bestehende Gegenstände des Denkens zu unterscheiden. Denn eine und dieselbe Bestimmung kann verschiedenen Gegenständen angehören; in gleicher Weise können mehrere, zu einem Vereine zusammenfassbare Bestim¬ mungen an verschiedenen Gegenständen haften. Da nun die einzelne Bestimmung ebenso wie der Verein, für sich allein, als Gegenstand besteht, so kann demzufolge ein Gegenstand in einem anderen Gegenstände sich darbieten: er ist in diesem Falle ein unselb¬ ständig existirender Gegenstand. Ein Gegenstand ist hingegen selb¬ ständig, wenn die ihm zukommenden Bestimmungen keinem um¬ fassenderen Vereine gegenständlich vorliegender, zusammengehöriger oder miteinander verträglicher Bestimmungen angehören. Ein solcher Gegenstand ist ein in räumlicher und zeitlicher Bestimmtheit bestehendes Einzelding. Es existirt als Träger eines keiner Er¬ gänzung oder Erweiterung fähigen Vereins von Einzelbestimmungen. Demgemäß ist jeder Denkgegenstand entweder ein Einzelding oder er wurzelt in Einzeldingen, sofern er auf einer irgendwie begrün¬ deten Abgrenzung von Bestimmungen an Einzeldingen beruht. Die