118 Gotti. Priedr. Lipps. 2. Diese -Thatsache kann, eben weil die Bethätigungen und die Erfolge des Denkens in jedem Falle sich in unveränderter Selb¬ ständigkeit behaupten, nur darin ihren Ausdruck finden, dass die in den verschiedenen Denkakten vorhegenden Gegenstände ihre Selb¬ ständigkeit aufgeben. Dies geschieht, wenn diese Gegenstände zu einem und demselben, mehrfach bestimmten Gegenstände verschmelzen. Es erhält alsdann der in einem Denkakte bestimmte Gegenstand durch andere Denkakte weitere Bestimmungen: er wird zum Träger eines Vereins zusammengehöriger oder zusammenfassbarer Bestimmungen. Gibt es demgemäß Bestimmungen, die in einem und demselben Gegenstände ihren gemeinsamen Träger finden, so kann auch eine und dieselbe Denkthätigkeit zur Bestimmung verschiedener Gegenstände beitragen. Denn verschiedene Gegenstände werden nunmehr durch verschiedene Vereine von Denkthätigkeiten bestimmt, und die Ver¬ schiedenheit der Vereine wird durch gemeinsame Glieder nicht auf¬ gehoben, falls nur nicht alle Glieder gemeinsam sind, so dass die Vereine Glied für Glied übereinstimmen. Es kann sonach in der That eine Denkthätigkeit, die für sich allein nur einen und denselben Gegenstand bedingen und bestimmen würde, auf Grund ihrer Zu¬ gehörigkeit zu verschiedenen Vereinen eine übereinstimmende Be¬ stimmung verschiedener Gegenstände liefern. Wird aber der nämliche Gegenstand durch verschiedene Denk¬ thätigkeiten bestimmt, und drückt die nämliche Denkthätigkeit ver¬ schiedenen Gegenständen ihr Gepräge auf, so scheint es, dass Gegenstand und Thätigkeit des Denkens nicht mehr untrennbar zusammengehören, sondern als »Ding an sich« und »Denken an sich« eine selbständige Existenz gewinnen. Denn die möglichen Bestimmungen eines Gegenstandes müssen nicht insgesammt wirklich vollzogen werden, sondern die eine kann ohne die anderen bestehen. Und wenn an verschiedenen Gegenständen eine gemeinsame Bestim¬ mung ausführbar ist, so ist ihr Auftreten an dem einen Gegenstände unabhängig von dem Auftreten an den anderen Gegenständen. Es kann daher ein thatsächlich vorhandener Gegenstand einer Be¬ stimmung fähig sein, ohne sie bereits zu besitzen, und es kann eine thatsächlich bestehende Denkthätigkeit im Stande sein, einen Gegen