Zur Kritik der Kinderpsychologie, mit Rücksicht auf neuere Arbeiten1). Von Heinrich Eber. Die Kinderpsychologie hat die Erforschung der psychischen Entwicklung des Kindes zur Aufgabe, und sie hat in diesem Sinne sowohl die Entwicklung normal veranlagter Individuen, wie auch die mit Sinnesdefecten behafteter zum Gegenstand ihrer Unter¬ suchungen gemacht. In Folge der Beschaffenheit dieses ihres Untersuchungsgebietes ist sie aber darauf angewiesen, einerseits in innigster Verbindung mit derjenigen Wissenschaft zu bleiben, von der sie nur ein Zweig ist: mit der allgemeinen Psychologie, und andrerseits Berührungspunkte mit jenen Wissenschaften zu suchen, zwischen denen sie ein Bindeglied darstellt : mit der Thier- und Völkerpsychologie. Außerdem werden ihr auch, soweit die psychische an die körperliche Entwicklung gebunden ist, Phy¬ siologie, Anatomie, Pathologie werthvolle Dienste zu leisten im Stande sein. Ihre Abhängigkeit von der allgemeinen Psychologie ergibt sich schon daraus, dass sie nur ein beschränktes Gebiet der Psychologie bearbeitet, und dass es daher der allgemeinen Psycho¬ logie Vorbehalten bleibt, die Bedeutung der psychischen Entwick¬ lung im allgemeinen, wie derjenigen des Thieres, des Kindes, der Völker im besonderen in Bezug auf die psychischen Elemente, ihre Verbindungen und causalen Beziehungen vollständig zu würdigen. .1) W. Prey er, Die Seele des Kindes, 1895; J. M. Baldwin, Mental Development in the Child and the Race, 1895; B. Perez, Les trois premières années de l’enfant, 1892. Wundt, Philos. Studien. XII. 39