Ueber die Wahrnehmung von Druckänderungen bei verschiedenen Geschwindigkeiten. 547 zu verwechseln, wird diese Auffassung einigermaßen unterstützt. Andererseits ist der Yeränderungsvorgang zuerst so unbestimmt und wegen seiner kurzen Dauer so schwer zu beobachten, dass eine derartige Verwechselung oder die scheinbare Identität der beiden Eindrücke eine thatsächliche Identität nicht nothwendig voraussetzen würde. Ein leises Geräusch des Apparates kann bis¬ weilen die Versuchsperson derart täuschen, dass die letztere diesen Eindruck wie eine wirkliche Druckänderung auffasst. In einigen Vorversuchen wirkte mein Apparat nicht immer geräuschlos. Oft hat dann Herr Judd bei Annäherung an die Reizschwelle das Ur- theil abgegeben, dass er sich einer Veränderung bewusst sei, dass er aber nicht wisse, ob er sie gehört oder in seinem Finger gespürt habe. Bei anderen Versuchspersonen fand ich ebenso, dass eine Täuschung der Druckänderung leicht Vorkommen konnte, wenn nur ein leises Geräusch im Augenblicke der Erwartung stattfand. Solche Fälle bieten eine Parallele zu der von Wunderli1) beob¬ achteten Thatsache der Verwechslung leiser Temperatur- und Druck¬ empfindungen, zugleich bilden sie aber auch eine Widerlegung der von ihm gegebenen Interpretation dieser Erscheinungen. Die er¬ wähnten Täuschungen und Verwechselungen zeigen, wie unbestimmt die Empfindungsgrundlage für die Wahrnehmung in der Nähe der Veränderungsschwelle ist. Die Empfindungsverschiedenheiten, welche thatsächlich vorhanden sind, können bei der Anwesenheit gleicher Gefühle und beziehender Vorgänge leicht übersehen werden. Die Aufmerksamkeit findet einen Ruhepunkt in dem sonst ununter¬ brochenen Laufe der Erwartungszeit, es entsteht ein Gefühl der Erleichterung, und in dieser Gesammtwirkung wird die eigentliche Ursache der Unterbrechung leicht verkannt. Aus diesem Grunde ist auch die scheinbare Identität der Zu- und Abnahmewirkung des Reizes kein strenger Beweis für die wirkliche Identität derselben. Als eine weitere Bedingung, welcher man die Trennung der Richtungs- und Veränderungsschwelle zuschreiben muss, ist ein Unterschied der Objecte, auf welchen man in diesen beiden Fällen seine Aufmerksamkeit besonders richten muss, zu erwähnen. Um 1) Experimentelle Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. Moleschott’s Untersuchungen zur Naturlehre des Menschen u. d. Thiere. Bd. VII. S. 393.