Ueber die Wahrnehmung von Druckänderungen bei verschiedenen Geschwindigkeiten. 539 Veränderung eine Zunahme oder eine Abnahme ist, und je nach¬ dem die Wahrnehmung in diesen beiden Fällen sich nur auf die Veränderung oder auf die Zu- und Abnahme als solche bezieht. 2. Um die Richtung der momentanen Veränderung wahrnehmen zu können, ist bei gleichem Normaldruck eine größere Veränderung nothwendig als für die Erkennung der bloßen Veränderung allein. 3. Unter sonst gleichen Bedingungen ist die Zunahme leichter wahrnehmbar als die Abnahme. Eine Veränderung, welche auf der Abnahmeseite überhaupt unmerklich ist, kann auf der Zunahme¬ seite nicht nur als Veränderung, sondern auch als Zunahme wahr- genommen werden. -4. Das Verhältnis der Unterschiedsschwellen zu den Normal¬ reizen ist, der Forderung des Weber’schen Gesetzes entsprechend, für die Normalgewichte von 75 bis zu 200 g annähernd constant; wenn dagegen das Normalgewicht von 50 bis zu 10 g abnimmt, so wird das Verhältniss stetig größer. 5. Das Verhältniss zwischen der Veränderungs- und der damit verbundenen Richtungsschwelle neigt bei momentaner Druckän¬ derung mehr oder minder zu einer Constanz. Man findet diese Nei¬ gung nicht nur bei relativer Constanz der Veränderungsschwellen, sondern auch bei verhältnissmäßiger Ungleichheit der letzteren. So ist es z. B. bei der Abnahme im Vergleich mit der Zunahme, oder bei den relativ gesteigerten Veränderungsschwellen der kleineren Gewichte im Vergleich zu den größeren. 6. In den beiden Verfahrungsweisen der sogenannten auf- und absteigenden Versuchsreihen wird in diesem Falle kein constanter Unterschied in den Schwellenwerthen derselben bemerkt. Um diese Ergebnisse verstehen zu können, müssen wir zu¬ nächst den Charakter des Reizes sowohl wie den des psychischen Vorganges näher ins Auge fassen. Obgleich eine Druckänderung auf der Haut zuerst vielleicht wie eine einfache Intensitätsänderung des Reizes erscheinen kann, so ist sie thatsächlich doch ein mehr complicirtes Phänomen. Mit der Druckänderung findet zugleich immer eine Ortsveränderung statt. Die Ebene der unmittelbar unter dem Druck stehenden Wundt, Philos. Studien. XII. 36