Theorie des Talbot’schen Gesetzes. Von Karl Marbe. Mit einer Figur im Text. Das Gesetz des Talhot. Wenn zwei Lichtreize successive und periodisch denselben Punkt der Netzhaut treffen, so entstehen entweder der Reihe nach mehrere Empfindungen oder aber eine einzige intensiv und qualitativ con¬ stante Empfindung. Letztere ist identisch mit derjenigen Empfindung, welche entstehen würde, wenn das während einer jeden Periode wirkende Licht gleichmäßig über die Dauer der ganzen Periode vertheilt wäre1). 1) Die Richtigkeit dieses, in weniger allgemeiner Form zuerst von Talbot (Philos. Magaz. Nov. 1834 S. 327) ausgesprochenen und unter dessen Namen be¬ kannten Gesetzes ist durch v. Helmholtz (Handbuch der physiologischen Optik 2. Aufl. p. 483 ff.), Plateau (Bulletin de l’Académie royale 1835 Nr. 2, S. 52 u. Nr. 3, S. 89 u. Pogg. Ann. Bd. 35, S. 457 ff.), Kleiner (Pflügers Archiv Bd. 18, S. 542 ff.), Lehmann (Philos. Stud. Bd. 4, S. 232 ff), Wiedemann u. Messer¬ schmitt (Wied. Ann. Bd. 34. [1888]. S. 463 ff.), G. N. Stewart (Proc. Roy. Soc. Edinb. 1888. 15, S. 441 ff.) experimentell bestätigt worden. — Dass, wenn die Reizdauern geringer als eine Achtmilliontelsecunde* sind, eigenthümliche Farben¬ erscheinungen auftreten (Stewart ibid.), kann man nicht gegen die allgemeine Gültigkeit des Gesetzes ins Feld führen, ebensowAiig die bekannten Versuche von Adolf Fick (Müllers Archiv 1863 S. 739 ff.). Mit Recht erblickt Aubert (Physiologie der Netzhaut S. 350 f. u. Physiol. Optik S. 516) in denselben geradezu eine Bestätigung des Talbot’schen Satzes. Neuerdings hat E. S. Ferry (The physikal Review Bd. 1 [1894] S. 338 ff.) auf Grund von Experimenten behauptet, dass die nach dem Talbot’schen Satze berechneten Helligkeiten größer seien als