Die zeitlichen Verhältnisse der Willensthätigkeit. Von Julins Merkel. Einleitung. Die experimentellen Untersuchungen, welche sich das nähere Studium der zeitlichen Verhältnisse der Willensthätigkeit zur Auf¬ gabe gestellt haben, suchen die Zeit zu ermitteln, welche die Aus¬ lösung eines Willensimpulses erfordert. Bei allen Versuchen, wo es gilt, nach Apperception oder vollzogener Unterscheidung irgend eines Eindruckes eine Reaction auszuführen, ist eine Willenszeit vorhan¬ den, welche jedoch, wenn die Reactionsweise vorher bekannt ist, sehr kurz, ja verschwindend klein ausfallen kann, jedenfalls aber einer exacten Messung sich entzieht. Wird jedoch die Reaction von dem empfangenen Eindrücke selbst abhängig gemacht, so wird hierdurch allerdings erreicht, dass der Willensimpuls erst nach vollendeter Unterscheidung erfolge, allein es werden gleichzeitig gewisse Zeit¬ räume in den psychophysischen Act eingeschoben, in denen die Aus¬ wahl der Reactionsbewegung erfolgt. Die ersten Versuche, welche eine getrennte Bestimmung der Unterscheidungs- und Wahlzeiten geben sollten, sind von Donders1) und seinem Schüler de Ja a g er2) ausgeführt worden. Hinsichtlich einer eingehenderen Darstellung und Kritik derselben auf die Aus- 1) Donders, Archiv für Anatomie und Physiologie, 1868, S. 657 f. 2) de Jaager, De physiologische Tijd bij psychische Processen. Utrecht 1865.