Untersuchungen über den Zeitsinn. Von » Julius Kollert. Die experimentellen Thatsachen hinsichtlich des Zeitsinnes, wie sie durch die Versuche von Vierordt1) und von Mach2) festgestellt worden sind, bedürfen einerseits einer wiederholten Bestätigung, an¬ dererseits erscheint auch eine Verbesserung der Versuchsmethoden wünschenswerth. Man kann nämlich den Vierordt’schen Versuchen den Vorwurf machen, dass sie nicht unter den einfachsten Bedingun¬ gen angestellt worden sind, indem seine Methode3) jedenfalls von physiologischen Einflüssen nicht frei ist. Auch ist die zwischen Em¬ pfindung und Reproduction liegende Zwischenzeit genau anzugeben und der Einfluss, den ihre Aenderung auf den Verlauf der Erschei¬ nungen ausüht, sorgfältig durch das Experiment festzustellen. Die Mach’schen Versuche hingegen, welche nach der Methode der eben merklichen Unterschiede angestellt worden sind, zeigen unter einan¬ der und mit den Resultaten V i e r o r d t ’ s nur geringe Uebereinstim- mung, wie eine Zusammenstellung derselben4) lehrt. Auf Vorschlag des Herrn Professor Wundt und unter dessen Leitung wurde demzufolge im Sommersemester 1880 und im Winter¬ semester 1880/81 eine Reihe von Versuchen angestellt, deren Bear¬ beitung den Gegenstand dieser Abhandlung bildet. 1. Anordnung der Versuche. Die Versuche wurden sämmtlich nach der Methode der eben merk¬ lichen Unterschiede ausgeführt, nachdem eine Reihe von Versuchen, 1) Vierordt, Der Zeitsinn nach Versuchen, Tübingen 1S68. 2) Mach, Sitzungsber. der Wiener Akademie, 1865, Bd. 51. 3) Vierordt, Der Zeitsinn etc., S. 31 ff. 4) Wundt, Grundz. d. physiol. Psychologie, 1. Auf!., S. 785. (2. Aufl. II. S. 290.)