40 Max Friedrich. fanden, die Verschiedenheit der beim Reagiren benutzten Methoden und der Umstand, dass jene psychophysischen Zeiten individuellen Einflüssen unterworfen sind , veranlassten uns , eigene Versuche über den gedachten Gegenstand anzustellen, womit wir zugleich, soweit dies thunlich, eine prüfende Kontrolle der einzelnen beim Reagiren üblichen Methoden verbanden. Ein Blick auf die von den verschiede¬ nen Beobachtern für die Apperceptionsdauer einfacher Gesichtsein¬ drücke (Farben) gefundenen Zahlen zeigt aufs deutlichste, wie sehr die Resultate von der Art und Weise des erhaltenen Reizes und des Reagirens abhängen, und wie vorsichtig man in der Wahl und Anord¬ nung dieser äußeren Umstände sein muss. Die vorliegende Materie zerfällt ihrem Inhalte nach in vier Ab¬ schnitte, deren erster sich mit der Methode und der Technik der Ver¬ suche beschäftigt. Die zwei folgenden behandeln das eigentliche Ziel unsrer Untersuchungen, welches in der Beantwortung der beiden Fra¬ gen liegt : 1) »Welches ist die Dauer der Apperception einfacher Farben¬ empfindungen '?« 2) »Welches ist die Dauer der Apperception zusammengesetzter Gesichtsvorstellungen (Zahlen) ?« Ein vierter und letzter Abschnitt enthält einige Bemerkungen über die Uebung und Ermüdung, sowie eine kurze Zusammenstellung der gefundenen Resultate. 1. Die Methode und Technik der Versuche. Unter Apperceptionsdauer sei der Definition des Herrn Prof. Wundt1) zufolge die zwischen der Perception und Apperception gele¬ gene Zeit verstanden. Diese lässt sich direct nicht messen, sondern reiht sich in die einzelnen Vorgänge ein, aus welchen ein Versuch zu¬ sammengesetzt ist und deren sich fünf unterscheiden lassen : 1) die Lei¬ tung vom Sinnesorgan bis in das Gehirn, 2) der Eintritt in das Blickfeld des Bewusstseins oder die Perception, 3) der Eintritt in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit oder die Apperception, 4) die Willenszeit, welche erfordert wird, um im Centralorgan die registrirende Bewegung aus¬ zulösen, 5) die Leitung der so entstandenen motorischen Erregung 1) "Wundt, Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Aufl. S. 727. 2. Aufl. II S. 220.