11 gestattet oder versperrt. Diese Unterbrechungen des Luftstromes erteilen nun der äufseren Luft eine regelmäfsige Folge von Slöfsen (chocs), welche hei grofser Geschwindigkeit der Scheibe „einen der menschlichen Stimme ähnlichen Ton“ erzeugen, dessen Höhe mit der Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe zu- und abnimmt. Den Vorzug dieser Art von Tonerzeugung hei der Ermittelung der Schwingungszahl fafst der Erfinder in den Worten zusammen: „On voit que le but de cette con¬ struction a été de produire les chocs nécessaires à la formation du son, par un mouvement de rotation, lequel est très-facile à mesurer à l’aide des engrenages, tandisque le mouvement de „va“ et „vient“ des cordes et des anches vibrantes ne peut s’apprécier que par la théorie.“ Da der durch diesen Apparat hervorgebrachte Ton jedenfalls nur eine geringe Intensität hatte, so konstruierte Cagniard de la Tour eine zweite brauchbarere Form, indem er eine erhebliche Verstärkung des Tones dadurch erzielte, dafs er den die Stöfse erzeugenden Luftstrom gleichzeitig durch eine grüfsere Anzahl von Öffnungen, statt durch eine einzige, austreten liefs. Er brachte nämlich auf der Deckelplatte eines niedrigen cylindrischen Kupfergehäuses von 4 Zoll (= 10,828 cm) Durchmesser 100 auf einem Kreise liegende äquidistante Öffnungen von 1/4 Linie (== 0,56 mm) Breite und 2 Linien (= 4,5 mm) Länge an, welche zur Ebene der Platte schief gebohrt waren. Die Öffnungen wurden deshalb so schmal gemacht, damit die zwischen zwei benachbarten Öff¬ nungen liegenden Vollräume um so breiter ausfallen konnten, so dafs bei einer Rotation der Scheibe der Vorheigang ihrer Vollräume an den gegenüberliegenden Öffnungen des Deckels auf kurze Zeit jede Verbindung zwischen der in dem Gehäuse belindlichen Luft und der äufseren Luft unterbrach. Im Mittelpunkte des Deckels erhob sich eine vertikale Achse, um welche sich die zum Versehliefsen der Öffnungen dienende Scheibe drehen konnte, die genau auf die Deckplatte pafste, ohne jedoch eine starke Reibung auszuüben. Die um die feste Achse drehbare Scheibe war ebenfalls von 100 schief gebohrten, äquidistanten und den auf dem Deckel befindlichen kon¬ gruenten Öffnungen durchbrochen, so dafs hei einer Drehung der Scheibe alle Öffnungen des Deckels entweder zugleich geöffnet oder zugleich geschlossen wurden, je nachdem die Öffnungen oder die vollen Zwischenräume der Scheibe auf die Öffnungen des Deckels fielen. Übrigens waren die Öffnungen der Scheibe unter gleichem Neigungswinkel, aber im entgegengesetzten Sinne als die Öffnungen des Deckels gebohrt. Die schiefe Bohrung der Öffnungen ist zur Erzeugung des Tones nicht unbedingt erforderlich; sie hat nur den Zweck, dem von dem Blasebalg kommenden und von unten in das Gehäuse eintretenden Luftstrom die geeignete Richtung zu geben, wenn man ihn zur Drehung der Scheibe verwenden will. Sonst kann die Rotation auch durch irgend eine mechanische Vorrichtung hervorgebracht werden1). Bei den ersten Versuchen, welche Cagniard de la Tour mit diesem Apparate zur Ermitte¬ lung der absoluten Schwingungszahl von Tönen anstellte, wurde die Drehung der beweglichen Scheibe nicht durch den durch die Öffnungen streichenden Luftstrom, sondern durch ein Räder¬ werk bewirkt; dasselbe wurde durch ein niedersinkendes Gewicht in Gang gesetzt, welches an einer über eine bewegliche Trommel gelegten Schnur hing. Die Regulierung der Umdrehungs¬ geschwindigkeit wurde durch einen an der Achse der Scheibe befestigten Windfang bewirkt, während *) Eine Abbildung des Apparentes ist der Abhandlung nicht beigegeben; inan findet eine dieser Beschrei¬ bung entsprechende in dem Lehrbuch der Experimentalphysik von J. B. Biot, übersetzt von Fechner, (Leipzig, 1829), Bd. II, Tafel VI, Nr. 53, welche in anderen Lehrbüchern und in Zeitschriften mehrfach wiedergegeben worden ist. 2*