35° teln, sind meiner Überzeugung nach vergeblich. Das kann man am besten an den Tieren nachweisen. Es ist eine Thatsache, dass die meisten Menschen gewisse Tierarten wie das Pferd, den Löwen, den Adler, den Schwan schön finden, andere wie das Krokodil, die Hyäne, die Kröte, die Spinne hässlich. Man hat das aus Asso¬ ziationsvorstellungen erklären wollen, indem man z. B. gemeint hat, der Löwe sei deshalb schön, weil wir bei seiner Anschauung die Vorstellung von Mut und Kraft hätten, an freies Herumstreifen in der Wüste u. dergl. dächten, die Spinne deshalb hässlich, weil wir uns bei ihrem Anblick staubige Ecken, Spinngewebe, unan¬ genehmes Anfühlen, lästiges Krabbeln auf der Haut vorstellten. Allein dann dürfte man z. B. auch eine Medusa nicht schön finden, da sie im Meer sehr unangenehm werden kann, und es wäre auch gar nicht verständlich, warum ein Löwe meistens für schöner gehalten wird als ein Tiger. Auch die geistigen Eigenschaften der Tiere, die wir kennen, sind für ihre ästhetische Wertschätzung nicht entscheidend. Der Elefant ist ein sehr kluges, das Pferd ein ziemlich dummes Tier. Danach müsste der Elefant schöner sein als das Pferd. Ebenso müsste der Star schöner sein als der Fasan, da er mehr Intelligenz hat, was alles nicht der Fall ist. Eine andere weit verbreitete Auffassung geht dahin, dass es die Zweckmässigkeit des Körperbaues sei, die uns ästhetische Lust gewähre. Aber dies wäre eine rein intellektuelle Freude. Über¬ dies lehrt uns die Naturwissenschaft, dass jedes Tier gerade den für seine Lebensbedingungen zweckmässigsten Körperbau hat. Denn das ist ja der Kern der Entwickelungslehre, dass die Körperformen sich durch Vererbung und Anpassung gerade so entwickeln, wie sie sich, um praktisch zu sein, entwickeln müssen, wonach alle Tiere, wenn sie nur überhaupt gesund und lebenskräftig wären, gleich schön sein müssten. Warum soll ein Krokodil nicht ebenso schön sein wie ein Löwe, wenn seine Körperformen gerade für seine Lebens¬ weise ebenso geeignet sind, wie die des letzteren für die seinige? Wieder ein anderer Versuch das Schöne zu fixieren ist der, dass man die auf der Stufenleiter der Entwickelung höher stehen¬ den Tiere für schöner erklärt als die mehr zurückgebliebenen. Das mag wohl manchmal richtig sein, häufig aber trifft auch das Gegenteil zu, z. B. bei den Affen, die den meisten Menschen trotz ihrer Primatennatur sehr hässlich erscheinen. Form und Farbe an sich können aber die Schönheit eines