I 26 leiter ziemlich tief. Wir haben alle das Gefühl, dass sie keine höhere Kunst sind. Schon dies weist mit Bestimmtheit darauf hin, dass der Inhalt als solcher nicht das Ausschlaggebende in der dramatischen Poesie sein kann. Wenn ein Inhalt, der zweifellos im höchsten Grade lusterregend ist, der uns unter Umständen in eine geradezu über¬ wältigende explosive Lust versetzen kann, nicht im stände ist, eine Posse zu einem höheren Kunstwerk zu machen, wenn dagegen ein Lustspiel wie Minna von Barnhelm, in dem es allerdings auch nicht an drolligen Situationen fehlt, doch in erster Linie wegen seiner feinen Charakterzeichnung und seiner wirksamen Handlung geschätzt wird, so ist klar, dass das Komische als Inhalt nicht die Ursache der ästhetischen Lust ist, sondern vielmehr die Glaub¬ würdigkeit und Lebens Wahrheit, mit der uns ein komischer, d. h. an sich lusterregender Inhalt auf der Bühne vorgeführt wird. Der komische Inhalt, der im feineren Lustspiel noch zu der Lebens¬ wahrheit hinzukommt, muss bei dem Gesamteindruck sehr wenig ins Gewicht fallen, wenn eine Posse, in der jener überwiegt, ästhetisch in unserer Schätzung soviel tiefer steht als ein Lustspiel, in dem er nur eine nebensächliche Bedeutung hat. Und wenn wir nun von hier zur Tragödie übergehen, so liegt die Schlussfolgerung auf der Hand. Zwar giebt es eine Menge Menschen, die lieber Lustspiele als Trauerspiele sehen, und bei der Art, wie unsere tragische Schauspielkunst gegenwärtig im argen liegt, kann man ihnen das auch nicht verdenken. Aber dennoch haben die meisten ästhetisch Gebildeten einen tieferen und echteren Genuss an der Tragödie als an der Komödie und Posse. Jedenfalls kann man sagen, dass ceteris paribus, d. h. gleiche Vortrefflichkeit des Spiels vorausgesetzt, jene einen tieferen und nachhaltigeren ästhetischen Genuss gewährt als diese. Daraus allein geht schon mit Sicherheit hervor, dass der Genuss auf dem Inhalt als solchem nicht beruhen kann. Denn mag man auch den Inhalt der Tragödie ethisch formulieren wie man wolle, vorwiegend lusterregend wird man ihn niemals machen können. Höchstens könnte man seine unlusterregende Kraft durch die besondere For¬ mulierung einigermassen abschwächen. Es fragt sich also, durch welche Mittel der unlusterregende Inhalt der Tragödie so • zurückgedrängt und in seiner Wirkung abgeschwächt werden kann, dass er gegenüber der ästhetischen Lust nicht in Betracht kommt. Und hier gehen nun die Illusions- und