Tragischen vorgenommen , die einen vollkommen ethischen Cha¬ rakter hatte. Es würde hier zu weit führen, wenn ich die Irrgänge dieser Normierung, die sich durch die Geschichte der Ästhetik hindurch¬ ziehen, im einzelnen verfolgen wollte. Man findet das Material jetzt sehr ausführlich bei Volkelt zusammengestellt. Hier mögen nur einige Andeutungen Platz finden, da es nicht meine Absicht ist, die Probleme der Poetik ausführlich zu behandeln. Vor allen Dingen muss darauf hingewiesen werden, dass diese inhaltliche Normierung auf der selbstverständlichen Voraussetzung beruht, die ästhetische Lust an der Tragödie sei durch die Freude am Inhalt bestimmt. Diese Voraussetzung ist aber wie gesagt unhaltbar. Denn wie ist es überhaupt möglich, dass ein Kunstwerk einen hässlichen Inhalt haben kann, wie erklärt es sich, dass wir freiwillig ins Theater gehen, um uns dort die grässlichsten Ereignisse, Mord und Totschlag, Gift und Dolch, furchtbare Verbrechen, gemeine Intriguen, Laster und Verworfenheit Vorspielen zu lassen, von denen wir uns im gewöhnlichen Leben mit Grauen und Abscheu abwenden würden? In der That giebt es ja Leute, die schlechterdings an einer Tra¬ gödie keine ästhetische Lust haben und deshalb ihren Anblick ver¬ meiden. Das sind einerseits die ästhetisch Ungebildeten, die die Täuschung nicht als solche festhalten können (I 221), andererseits die, die im Leben nicht allzuviel Glück gehabt haben und dem¬ entsprechend auch keine Ergänzung ihres Wesens nach der Seite des Unglücks brauchen. Diese sagen ganz einfach : Der Inhalt der Tragödie ist traurig, ihr Anblick also nicht lusterregend, folglich gehe ich nicht in eine Tragödie. Die Inhaltsästhetiker stehen im Wesentlichen auf demselben Standpunkt, nur mit dem Unterschied, dass sie die ästhetische Lust an der Tragödie, die ja gegenüber dem Verhalten der ästhetisch Ge¬ bildeten nicht geleugnet werden kann, konzedieren, dafür aber den traurigen Inhalt der Tragödie in bestimmter Weise ethisch gestaltet wissen wollen, um ihren künstlerischen Wert zu¬ geben zu können. Natürlich, denn wenn es der Inhalt ist, der in der Kunst Vergnügen gewährt, so muss ein trauriger Inhalt ethisch von ganz bestimmter Art sein, wenn er ästhetisch befriedigen soll. In der That beruhen alle Versuche, das Tragische genauer zu bestimmen, auf dem Bestreben, den Inhalt der Tragödie als solchen ethisch zu normieren. Alle Inhaltsästhetiker sagen: Diese oder