wegungs- und Geschicklichkeitsspielen, z. B. bei spielenden Sprech¬ übungen sehr deutlich hervor. In der Kunst darf die Virtuosität ja wie wir gesehen haben, niemals Selbstzweck sein, aber auch hier finden wir immer die Tendenz, die technischen Mittel zu ver¬ feinern, die Virtuosität als solche zur Schau zu stellen. Und es • • ist keine Frage, dass gerade dem Künstler die Überwindung tech¬ nischer Schwierigkeiten, der Sieg über die Materie schon an sich einen hohen Genuss gewährt. Auch in Bezug auf ihre soziale Wirkung sind Spiel und Kunst einander ähnlich. Es giebt zwar auch egoistische Spiele, wie es eine egoistische Kunstübung giebt. Allein die Regel ist, dass das Spiel mehrere Menschen oder grössere Menschenmassen zu gemeinsamer Thätigkeit vereinigt. Je grösser ihre Zahl, um so grösser die Wahrscheinlichkeit einer Trennung von Ausübenden und Geniessenden. Das Spiel wird ebenso gern von Zuschauern genossen, wie die Kunst. Schon das Wort Schauspiel beweist, dass das Gefühl für diese Wesensverwandtschaft ein allgemeines ist. Spiel und Kunst werden dadurch Hauptmittel zur Einigung des Menschengeschlechts. Sie führen grosse Menschenmassen in gemeinsamen Gefühlen zusammen, nähern sie einander in ihren Interessen und mildern dadurch die sozialen Gegensätze. Und durch die Zweiteilung in Spieler und Zuschauer oder Künstler und Publikum erhält die Thätigkeit noch einen besonderen Reiz. Diejenigen, die körperlich geschickter sind als die anderen oder sie geistig überragen, machen ihre Kunst diesen vor und feuern sie dadurch zu ähnlichem Streben an. Spiel und Kunst in ihren » • höheren Äusserungen sind nur denkbar unter der Voraussetzung einer Verschiedenheit der Anlagen, einer Abstufung des Könnens. Und es ist seit Ausbildung einer höheren Kultur immer so ge¬ wesen, dass der besser Begabte, oder der, der mehr gelernt hat • • als seine Mitmenschen, in seiner Überlegenheit einen besonderen Reiz und Antrieb zum Schaffen fand. Deshalb ist auch die Sehnsucht nach Erfolg jedem Künstler angeboren. Es ist ganz verkehrt, Ehrgeiz und Stolz als eines grossen Künstlers unwürdig zu bezeichnen. Diese Gefühle liegen vielmehr so sehr im Wesen des Spiels und der Kunst, dass beide ohne sie gar nicht denkbar sind. Jeder Künstler hat das unwiderstehliche Bedürfnis auf grosse Menschenmassen zu wirken, sein Publikum zur Be¬ wunderung hinzureissen, seine Macht über die Seelen der Menschen zu erproben.