13 Züge, durch die sie sich den Künsten nähern. An erster Stelle die Nachahmung. Sie ist eine der wichtigsten Begleiterscheinungen der Kunst und des Spiels. Es giebt Forscher, die sie für das wichtigste Kennzeichen des Spiels überhaupt halten, und solche, die eine besondere Gruppe von Nachahmungsspielen statuieren. Beides halte ich nicht für glücklich. Die Nachahmung an sich ist nichts, wodurch sich Spiel und Kunst von anderen menschlichen Thätigkeiten unterschieden. Sie ist vielmehr einer der elementarsten allgemeinen Triebe des Menschen, die sich im Kampfe ums Dasein entwickelt haben. Die Nachahmung der Alten durch die Jungen, des Leittiers der Herde durch die übrigen Tiere ist eine Vorstufe ihrer menschlichen Entwickelung. Bei allen Spielen hat sie eine Bedeutung. Das Kind lernt die meisten Spiele durch Nachahmung der Erwachsenen oder anderer Kinder. Gerade weil sie keinen praktischen Zweck haben, müssen sich bei ihnen bald kon¬ ventionelle Formen ausbilden, die sich von einer Generation auf die andere vererben. Es ist bekannt, wrelch zähes Leben diese Formen haben. Viele Spiele sind noch jetzt beliebt, die schon im Altertum und im Mittelalter gespielt wurden. Das wäre ohne einen starken Nachahmungstrieb undenkbar. In der Kunst tritt die Nachahmung in doppelter Form auf, erstens als Nachahmung der Natur, zweitens als Nachahmung anderer. Die Nachahmung der Natur werden wir bei den Illusionsspielen näher kennen lernen und uns dabei überzeugen, dass Kunst und Spiel auch in dieser Beziehung eine enge Verwandtschaft haben. Die Nachahmung anderer hat in der Kunst von jeher eine Rolle gespielt. Sie tritt uns im Jugendleben vieler grosser Künstler entgegen und muss einen ganz besonderen ästhetischen Reiz haben. Auf ihr beruht die Macht der Tradition. Allerdings ist diese nicht unüberwindlich, vielmehr ihre Durchbrechung eine Bedingung des Fortschritts. Aber gerade dass dieser immer mit Kämpfen verbunden ist, be¬ weist die elementare Stärke des Nachahmungstriebes. Auch hierin stimmen also Kunst und Spiel vollkommen überein. Für die psychische Wirkung des Spieles sind zwei wesentliche Elemente die Aufmerksamkeit und die Spannung. Gerade sie finden wir auch in der Kunst. Spieler folgen dem Geschicklich¬ keitsspiel, Zuschauer dem Schauspiel mit grösster Aufmerksamkeit, werden durch seine verschiedenen Phasen in höchste Spannung versetzt. Da die Begriffe Aufmerksamkeit und Spannung von den Psychologen verschieden erklärt werden, will ich bemerken, dass