12 der Bewegung willen da. Der Briefträger, der seine Briefe an ihren bestimmten Ort bringt, leistet eine Arbeit, vollzieht eine Ernsthandlung, der Spaziergänger, der im Walde einherschlendert und dabei wohl auch in eine Kneipe einfällt, treibt ein Bewegungs¬ spiel. Für jenen ist der praktische Zweck, für diesen das Gehen als solches die Hauptsache. Nur das Spiel gewährt aber reinen Genuss. Übrigens brauche ich nicht zu bemerken, dass es viele Be¬ wegungsspiele giebt, die gleichzeitig den Charakter von Sinnes- und Geschicklichkeitsspielen haben. Die Grenzen sind auch hier flüssig. Auch die Bewegungsspiele der Kinder, das Hüpfen, Rennen, Springen, Klettern, Werfen, Ballspielen, Schaukeln u. s. w. haben häufig einen fingierten Ernstzweck. Und es soll nicht geleugnet wer¬ den, dass die Erreichung desselben eine gewisse Lust gewährt. Aber sie ist sekundärer Art. Ob man beim Haschen den Gegner fängt oder beim Verstecken ihn findet, ob man beim Abschlagen, beim Kämmerchenvermieten u. s. w. richtig herauskommt, das ist für den Genuss nicht entscheidend. Auch die Verlierenden haben ihre Freude am Spiel. Die Aufgabe, die die Spieler sich stellen, hat nur den Zweck, das Spiel lebhafter zu machen. Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele, zu denen komplizierte Apparate nötig sind, und die den ganzen Menschen in Anspruch nehmen, bezeichnen wir als Sport. Sie entfernen sich vom Spiel und von der Kunst um so mehr, je mehr sie sich in ihrem Be¬ triebe der ernsthaften Arbeit nähern. Auch bei den Bewegungs¬ spielen findet oft eine gewisse Illusion statt, besonders da wo das Spiel auf einer Gegnerschaft zweier Personen oder Parteien beruht. Aber die Illusion ist für sie nicht notwendige Bedingung. Auch von den Bewegungsspielen ist zur Kunst nur ein Schritt. Denn ihre höchste Form geht unmittelbar in den Tanz über. Kinder haben eine Menge rhythmischer Bewegungsspiele, die den Tänzen sehr nahe stehen, ohne doch eigentliche Tänze zu sein. Wenn ein Kind im rhythmischen Zweischritt oder Dreischritt über die Strasse tänzelt oder mit beiden Füssen abwechselnd über die Gosse herüber auf das Trottoir hüpft (in Tübingen nennt man das „Stäffele aufi und abi“), so kann man noch nicht von Kunst sprechen. Dreht es sich aber mit anderen in rhythmischer Bewegung im Kreise oder bewegt es sich gar nach den Klängen rhythmischer Musik, so führt es einen Tanz aus. Fassen wir nun zunächst die bisher betrachteten Spiele ins Auge, so finden wir bei ihnen noch einige bisher nicht besprochene