4oo statt. Solange das Medium in dem Zustand der Suggestion ver¬ harrt, ist ihm das was es sich vorstellt und fühlt Wirklichkeit. Sobald es aus ihm in den normalen Zustand zurückkehrt, ist es für seine Vorstellung überhaupt nicht mehr vorhanden. Von be¬ wusster Selbsttäuschung ist also hier nicht die Rede. An Stelle des während einer bestimmten Zeit vorhandenen Wechsels zwischen Phantasievorstellung und Wirklichkeit tritt hier, ebenso wie beim Traum, der einmalige Übergang vom einen zum anderen. Etwas näher kommt man schon der Wahrheit, wenn man das ästhetische Schaffen mit einer partiellen Hypnose vergleicht oder sie als eine Art Autosuggestion auffasst. Ich habe schon wiederholt auseinandergesetzt, dass man weder von einem Dichter noch von einem Schauspieler annehmen kann, er fühle das, was er darstellen wolle, in dem Augenblick der Darstellung in voller Stärke. Wenn man also ihren Zustand mit einer Hypnose oder Autosuggestion vergleicht, so kann man das nur in dem Sinne meinen, dass man darunter eine zeitweise sehr starke Illu¬ sion versteht. Am stärksten wird diese Illusion nach dem früher Gesagten (S. 106) wahrscheinlich beim Schauspieler sein. Aber auch bei ihm ist die Suggestion keineswegs eine völlige. Man hat ja wiederholt Urteile bedeutender Schauspieler darüber eingeholt, ob sie während des Spiels vollkommen in ihrer Rolle aufgehen, das, was sie zu fühlen vorgeben, wirklich fühlen, d. h. ob während des Spiels mit ihnen eine völlige „Transfiguration“ vorgehe. Die Antworten sind ganz verschieden ausgefallen. Die einen leugnen die Aktualität ihrer Gefühle, die anderen behaupten sie, wieder andere drücken sich unbestimmt aus und lassen die Möglichkeit eines wirklichen Fühlens und doch wieder Nichtfühlens offen. Und zwar liegt die Sache keineswegs so, dass die grossen Schauspieler durchweg die wirkliche Transfiguration behaupten, die weniger guten die Bewusstheit des Spiels stärker betonen. Sondern es finden sich auf der einen wie auf der anderen Seite Schauspieler ersten Ranges. Die empirische Ästhetik wird daraus den Schluss ziehen, dass das erfolgreiche Spiel einen Zwischenzustand zwischen wirklichem Gefühl und gänzlicher Gefühllosigkeit voraussetzt, und das ist eben der Zustand der bewussten Selbsttäuschung. Man kann deshalb ruhig zugeben, dass ein grosser Schauspieler in der Zeit, während deren er sich durch einen Willensakt in die Illusion versetzt, z. B. ein König zu sein, alle Gehirnzentren, deren Wirkung in eine andere