7 Gymnasien und höheren Mädchenschulen leider immer noch auf¬ gehäuften Schutt gilt es hinwegzuräumen, damit das Feuer Platz und Luft zu brennen habe. Nicht positive, sondern negative Arbeit muss verrichtet werden. Alles übrige besorgt die angeborene Kunstbegabung. Am liebsten wären mir wie gesagt Leser, die noch kein ästhetisches Buch in der Hand gehabt haben, auf keine der herr¬ schenden Theorien eingeschworen sind. Sie würden mir am unbefangensten folgen und am ersten imstande sein, meine Lehre zu würdigen, [die, wenn auch nicht ganz ohne Vorgänger in der neueren Ästhetik, doch wie schon angedeutet, weit verbreiteten und tief eingewurzelten Vorurteilen entgegentritt. Dagegen möchte ich den Lesern dieses Buches eine möglichst umfassende Anschauung von bildender Kunst wünschen. Diese selbst zu bieten, d. h. dem Buche Illustrationen beizugeben, schien mir nicht am Platze, da wir seit einigen Jahren mehrere hervor¬ ragende Anschauungswerke haben, die zu billigem Preise eine Fülle von Abbildungen aus den Gebieten der Malerei, Plastik und Architektur enthalten. Spemanns Museum und Baukunst, Bruck¬ manns klassischer Bilderschatz und klassischer Skulpturenschatz, Seemanns Kunstgeschichte in Bildern, Hirths Formenschatz und Stil, Knackfuss’ Künstlermonographien bieten ein überreiches Material zur Illustrierung der hier ausgeführten Gedanken, dessen fortwährende Vergleichung sich während der Lektüre empfiehlt. Das „Wesen der Kunst“ ist geradezu als Ergänzung dieser Publi¬ kationen gedacht. Ihre weite Verbreitung hat mich der Pflicht enthoben, ein „Bilderbuch“ zu schreiben, den vielen illustrierten Werken über Kunst noch ein weiteres hinzuzufügen. Das ist auch kein Schade. Bildliche Anschauung ist ja etwas Schönes. Allein man . kann auch das beste Prinzip übertreiben. Wir sind in den letzten Jahren, wie ich glaube, mit Anschauung übersättigt worden. Was uns not thut, ist eine ästhetische Durcharbeitung dieses enormen Materials, eine Zusammenfassung des Einzelnen unter allgemeinen Gesichtspunkten, eine Entwickelung der künstlerischen Prinzipien auf logischer und psychologischer Grundlage. Gegenwärtig ist es allein die Kunstgeschichte, die die Kosten der zusammenfassenden Kunstunterweisung trägt. Die Zahl der kunsthistorischen Monographien und Handbücher, die in den letzten Jahren erschienen sind, ist enorm. Es mehren sich aber die An¬ zeichen dafür, dass die einseitig - historische Richtung der Kunst-