Ein Verfahren zur Demonstration der Aktionsströme. You Rudolf Hoher. (Aus dem physiologischen Institut der Universität Kiel.) Mit 1 Textabbildung. (Eingegangen am 1. August 1919.) Während des Krieges hat die Technik in der Verstärkerröhre ein Gerät geschaffen, mit dem es auf sehr einfache Weise gelingt, schwache Wechselströme, wie sie dem Telephon zugeleitet werden, in fa-t be¬ liebigem Grade zu verstärken. Dies hat mich auf den Gedanken ge¬ bracht, die Röhre beim Abhören der oszillatoriseh verlaufenden Aktions¬ ströme mit dom Telephon zu verwenden. Der Gebrauch des Telephons zu dem genannten Zweck ist bekanntlich nicht neu. Schon im Jahre 1881 haben Bernstein und Schönlein’) mit unpolarisierbaren Elektroden vom Frosch-Gastrocnemius zu einem Siemens- schen Telephon abgeleitet. Bei Reizung des Ischiadicus mit einem In¬ duktionsapparat vernahmen sie bei gleichzeitiger Anwendung von 4—6 Muskeln ein knatterndes Geräusch, das mit der Ermüdung an Deutlichkeit abnahm, während sie bei Ableitung von nur einem Muskel nichts hörten. Der freigelegte Wadenmuskel eines Kaninchens gab unter den gleichen Be¬ dingungen einen Ton, dessen Höhe der Frequenz des Unterbrechers ent¬ sprach; dabei wurde mit einem „Akustischen Unterbrecher“ die Zahl der Reize bis zu 700 pro Sekunde hinauf variiert. Im Strychnin-Tetanus hörten Bernstein und Schönlein einen „tiefen singenden Ton“. Wedensky1 2) verwendete im Jahre 1883 ebenfalls ein Siemens’sches Telephon. Ihm gelang es schon mit einem ausgeschnittenen Gastrocnemius, die Aktionsströme zu hören, allerdings bei jedem Muskel nur 1—2 mal, da das Phänomen rasch verschwindet. Viel dauerhafter fand er die Muskelströme bei Ableitung von dem durchbluteten, nur von der Haut entblössten Muskel, wobei er als Elektroden eingestochene Nadeln verwendete. Bei Frequenzen bis zu etwa 200 pro Sekunde stimmte die Höhe des Muskeltons im all¬ gemeinen mit dem des Unterbrechers überein, oberhalb von'200 war der Ton eine Quinte bis eine Oktave tiefer ; bei Frequenzen von 2500—5000 ver¬ nahm Wedensky nur ein gleichmäßig hauchendes Geräusch, und zwar sowohl beim Kaltblüter- wie beim Warmblütermuskel. Die Töne nahmen bei Verstärkung des Reizes ebenfalls an Stärke zu, mit der Ermüdung des Muskels schwanden sie allmählich und verwandelten sich in ein ungleich- mässiges Geräusch. Bei den natürlichen Kontraktionen (Spontan- und 1) Bernstein und Schönlein, Sitzungsberichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle. 1881. 2) Wedensky, Arch, für Physiologie. 1883 S. 313; Archives de Phy¬ siologie. 1891 S. 58; Zentral-Blatt für die medizinischen ’Wissenschaften. 1883 Nr. 26. Siehe ferner v. Frey, Arch, für Physiologie. 1883 S. 43. Pflüger’? Archiv für Physiologie. Bd. 177. 20