706 Abschnitt C. Capitel XII. neben den gewussten absoluten Positionen der vielen einfachen Realen. Wir haben es also streng genommen auch hier nur mit Theismus, wenn auch mit einem verschämten Theismus zu thun. Der Theismus will in den Individualseelen Substanzen, aber nicht ursprüngliche, sondern abgeleitete, geschaffene Substanzen sehen, die immer in einer gewissen Abhängigkeit vom Schöpfer bleiben, also weder Aseität noch Absolutheit besitzen. Schon dies ist unvereinbar mit dem Begriff der Substanz, und der darin ent¬ haltene Widerspruch treibt bei näherer Betrachtung ganz von selbst zur Aufhebung dieses Substanzbegriffes, d. h. zur Um¬ wandlung des Theismus in Pantheismus. Es wäre nämlich eine ganz rohe und äusserliche Vorstellungsweise, die Individuen als ein blosses caput mortuum eines einmaligen Schöpfungsactes zu betrachten, der sie ein für allemal fabricirt hätte, so dass sie nunmehr weiter subsistiren würden auch dann, wenn etwa der Schöpfer aufhörte zu sein. Kein theistisches System von irgend welcher Tiefe und Innerlichkeit dürfte es wagen, einer so platten Auffassung des Schöpfungsbegriffes zu huldigen; vielmehr wird der Theismus darauf bestehen müssen, dass die Fortdauer der Creaturen an der erhaltenden Thätigkeit des Schöpfers hängt, dass sie in Nichts zusammenfallen würden, wenn der Schöpfer seine Hand von ihnen abzöge, dass es also nicht zu ihrer Ver¬ nichtung, sondern zu ihrem Fortbestehen in jedem Moment eines Willensactes des Schöpfers bedarf, d. h. dass ihr Dasein nicht die bleibende Wirkung eines vergangenen, ein für allemal gesetzten Schöpfungsactes, sondern die Manifestation einer steti¬ gen göttlichen Thätigkeit ist, welche darin mit dem ursprüng¬ lichen Schöpfungsact identisch ist, dass sie an Stelle der Nicht¬ existenz die Existenz der Creatur setzt. Kurz gesagt: die er¬ haltende Thätigkeit des Schöpfers ist auch im Theismus ein con- tinuirlicher Schöpfungsact, das Dasein der Creatur ist nur das zur Erscheinung Kommen, die nach aussen gewandte Seite der stetig en schöpfe rischen Thätigkeit Gottes. Hier¬ mit ist aber schon ausgesprochen, dass das Dasein oder die Existenz der Creatur nicht die Erscheinung oder Aussenseite einer individuellen Subsistenz oder Substanz ist, d. h. dass die Creatur als solche wohl Dasein aber keine Substanz hat, sondern dass das Subsistirende in ihr eben nur noch die gött¬ liche Action ist, welche sich in ihrem Dasein manifestirt. In¬ dem so die recht verstandene Creatur sich als göttlich gesetzte