576 Abschnitt C. Capitel IX. zeugten, welche durch die Unterschiede der materiellen Verhält¬ nisse entstehen würden, noch weit grösser sein, als die Erfah¬ rung sie uns jetzt zeigt. Sehen wir doch trotzdem Fälle ein- treten, wo das Unbewusste lieber Missgeburten zur Welt schickt, als dass es sich bis zur Ueberwindung der vorliegenden materiellen Schwierigkeiten anstrengte. — Die so übrig bleibenden indivi¬ duellen Unterschiede sind unzweifelhaft gross genug, um schnell zu einer wesentlichen iVbänderung des Typus zu führen, und das Unbewusste braucht nur die Ausgleichung dieser Unter¬ schiede durch Kreuzung für diejenigen Fälle, wo die Abwei¬ chungen seinem Fortbildungsplane entsprechen, zu verhindern, sei es nun durch directes Festhalten oder durch einen äusser- lichen Mechanismus, so wird schon wieder ein grosser Theil Kraftaufwandes auf diese Weise erspart sein. Dass solche Artentstehungen durch Summation individueller Abweichungen wirklich vorgekommen sind, zeigen mehrfache Thierclassen in den geologischen Sammlungen, wenn die Samm¬ ler nicht die unbequemen Mittelstufen ausmerzen, die in keine Arteintheilung mehr passen wollen. ,,Zahllos sind die Arten von beschriebenen Ammoniten, alljährlich kommen zu den alten noch neue, und füllen sich ganze Schränke mit Büchern nur über Ammoniten. Ordnet man dieselben in eine Reihe, so sind die Unterschiede zwischen je zwei Exemplaren in der That so unbedeutend, dass Jeder sie unbedingt bloss für individuelle Eigenthümlichkeiten ansehen muss. Bei einem Dutzend aber summiren sich die kleinen Differenzen und bei zwei Dutzend ist die Summe der Differenzen so gross geworden, dass sich gar keine Aehnlichkeiten mehr zwischen dem Ersten und Letzten be¬ obachten lässt. Hier hält kein Artbegriff mehr Stich, sobald man nur genug Exemplare beisammen hat, welche die Ueber- gänge veranschaulichen.“ (Fraas: Vor der Sündfluth, S. 269.) Ziemlich ebenso steht die Sache mit den Trilobiten und manchen anderen Classen. Hier nur noch ein Citât über Schnecken: „Bei Steinheim (Würtemberg) erhebt sich ein tertiärer Hügel, der zu mehr als der Hälfte aus den schneeweissen Schalen der Vdtatci multiformis besteht; das eine Extrem dieser Schnecke ist hoch gethürmt, wie eine Paludine (noch einmal so hoch als dick), das andere hat einen ganz flachen Nabel (scheibenförmig, ein Viertel so hoch als dick). Selbst der ängstlichste Gelehrte, der alle Unterschiede zur Aufstellung einer Species benutzt, steht rathlos