536 Abschnitt C. Capitel VII. sie nicht im All-Einen Wesen selbst für dieses bewusste seien? Die einfachste Entgegnung gegen diese Bemerkung besteht in dem Hinweis auf die dem Behauptenden obliegende Beweislast; nicht mir kommt es zu, zu beweisen, dass die unbewussten phy¬ sischen Functionen, welche als solche zur Erklärung des zu Erklärenden aus reichen, nicht anderseits im All-Einen be¬ wusste seien, sondern denjenigen, welche diesen für die Er¬ klärung der Erscheinungen völlig werthlosen und gleichgültigen Zusatz zur Hypothese hinzufügen wollen, haben die Begründung ihrer Annahme beizubringen, welche bis dahin als leere Behauptung zu betrachten und demgemäss wissen¬ schaftlich zu ignoriren ist. Obwohl dies zur Abweisung obigen Einwandes genügen würde, so will ich doch näher auf die Sache eingehen, weil die Betrachtung dieses Punctes lehrreich für das genauere Verständniss des Unbewussten ist. Zunächst ist hier daran zu erinnern, dass das Bewusstsein nichts weniger als einen absoluten Werth hat, dass es vielmehr eine Beschränkung und eine gewissermaassen unnatürliche Spal¬ tung und Entzweiung in der Harmonie der beiden Attribute des Unbewussten ist, welcher wir endlichen Individuen nur deshalb unterworfen sind, um einen einmal begangenen Fehler wieder gut- zu machen (vgl. unter Cap. C. XIII.), dass demnach das Vorur- theil des vulgären Theismus, Gott noch ausserhalb der Individuen ein eigenes persönliches Bewusstsein anzudichten, keine geringere anthropopathische Verirrung ist, als die des jüdischen Testa¬ mentes, wenn dasselbe ihm Zorn, Bachsucht und ähnliche, nach den an uns selbst gemachten Erfahrungen bemessene Eigenschaf¬ ten zuschreibt (selbst fromme Kirchenväter, wie z. B. Augustinus sind von obigem Bedenken beunruhigt worden). Das Eine wie das Andere ist eine unwürdige Beschränkung der reinen und erhabenen Sphäre der Göttlichkeit, welche so von der zeitlosen Allwissenheit der Idee erfüllt ist, dass sie zu einer Be flexion in sich so wenig Veranlassung hat, als zu einer Beflexion in Anderes, überhaupt bei dem intuitiven Character ihres Wissens zu gar keiner Beflexion kommen kann, welche nur auf der Vor¬ aussetzung discursiven Denkens einen Sinn hat, — am aller¬ wenigsten aber mit dem, was wir als Bewusstsein und Selbst¬ bewusstsein kennen, etwas zu schaffen haben kann, da beides nur auf dem Boden der Sinnlichkeit erst möglich wird. Erst die Entzweiung der Idee in Subject und Object macht deren