148 Abschnitt A. Capitel VI. standene Verbinduugen von Ursache und Wirkung können kein negativer Beweis gegen das Vorhandensein psychischer Grund¬ lagen sein. So steht aber das Verhältniss keineswegs, sondern fast überall, wo wir ein scheinbar unzweckmässiges Wirken des Organismus sehen, können wir uns von den Gründen dieser Er¬ scheinung Rechenschaft geben. Die spontane Entstehung von Krankheit, die hierher auch zählen könnte, ist bereits beseitigt. Ein grosser Theil anderer Fälle wird sich darauf reduciren, dass die Mittel, welche zur Beseitigung einer Störung auf'geboten werden, nicht den Intentionen des Organismus gemäss ausfallen, weil anderweitig vorhandene Störungen dies hindern, so dass nun durch eine zweite Krankheit die Anstrengungen zur Hebung der ersten vereitelt werden. Dieser Fall tritt sehr häufig ein, nur ist es oft schwer, die zweite Störung zu entdecken, die sehr tief liegen und zugleich an sich sehr unbedeutend sein kann. Letzten Endes ist es dann immer wieder die unzureichende Macht des individuellen Willens (hier in Beseitigung der zweiten Störung), wodurch die aufgewandten Mittel eine schiefe Richtung be¬ kommen und nicht zum Ziele führen. Ein besonderer Fall der un¬ zureichenden Macht ist der, wo bei besonderer intensiver An¬ spannung nach einer bestimmten Richtung der Wille ausser Stande ist, die extensiven Grenzen inne zu halten. So z. B. bei Knochenbruchheilung, wo eine lebhafte Tendenz zur Knochen¬ bildung erfordert wird, verknöchern meist die umliegenden Mus¬ kel- und Sehnenpartien mit ; dann macht aber später der Orga¬ nismus seinen Fehler möglichst wieder gut, es werden also in diesem Beispiel die verknöcherten Nachbargebilde nach der Hei¬ lung auf ihre normale Beschaffenheit zurückgebracht. Wie die Macht des individuellen Willeus eine beschränkte ist, zeigt auch folgendes Beispiel : während der Schwangerschaft, wo der unbewusste Wille auf die Bildung des Kindes sich concentriren muss, wollen mitunter Knochenbrüche gar nicht heilen, während sie nach erfolgter Entbindung ganz gut verheilen. Der letzte mögliche Einwand wäre der, dass in Folge eines dem Geschöpfe anerschaffenen Mechanismus auf jede Störung die passende Reaction folge, ohne psychische Betheiligung des Individuums. Wer bis hierher meiner Entwickelung gefolgt ist, wird keine Widerlegung brauchen. Die Unmöglichkeit eines materiellen Mechanismus haben wir gesehen, die eines psychi¬ schen leuchtet Jedem ein, der die unendliche Mannigfaltigkeit