12 Einleitendes, Capitel I. b. höchsten Resultaten der inductiven Wissenschaft nach inductiver Methode zu verbinden, und damit die allgemein zugängliche Brücke zu den Principien zu schlagen, und diese bisher blos subjectiven Ueberzeugungen zur objectiven Wahrheit zu erheben. In Hinblick auf diese grosse und zeitgemässe Aufgabe wählte ich das Motto : „Speculative Resultate nach inductiv-naturwissen- schaftlicher Methode!* Nicht als ob ich des Glaubens wäre, ein so umfassender Kopf zu sein, wie zur Lösung dieser Aufgabe erforderlich ist, oder gar glaubte, in diesem Werke eine ge¬ nügende Lösung geboten zu haben, — das sei ferne von mir; aber damit glaube ich Dank zu verdienen, dass ich diese auch schon von anderen Männern erkannte und auf verschiedene Weisen in Angriff genommene Aufgabe klar als Ziel der gegenwärtigen, merklich an specuiativer Erschöpfung leidenden Philosophie hin¬ stelle, dass ich in den vorliegenden Untersuchungen zur Lösung derselben nach Kräften mein Scherflein beitrage, und dadurch anderen vielleicht erwünschte Anregung gebe, namentlich aber, indem ich die Sache an einer bisher vernachlässigten Seite an¬ fasse, die ich jedoch grade für die fruchtbarste halten muss *). Zugleich legt mir die ausgesprochene Auffassung die Pflicht auf mich vor jedem der beiden Fora, sowohl dem naturwissenschaft¬ lichen als dem philosophischen, zur Beurtheilung zu stellen**). Dies thue ich aber mit Freuden, denn ich halte jede Speculation für falsch, die den klaren Ergebnissen der empirischen Forschung widerspricht, und halte umgekehrt alle Auffassungen und Aus- *) Die überraschend günstige Aufnahme, welche die beiden ersten Auflagen dieses Werkes gefunden haben, scheint mir wesentlich auf einer Anerkennung der Zeitgemässheit dieses Strebens zu beruhen. **) Hie Kritiken und Einwendungen, welche mir von philosophischer Seite gemacht worden sind, haben meine Ansichten nicht nur nicht er- schlittern können, sondern haben wesentlich dazu beigetragen, dieselben in sich zu stärken und zu befestigen. Die einzige Kritik von naturwissen¬ schaftlicher Seite, welche mir bekannt geworden ist, (von Dr. med. Stiebe- lmg in New-York) ist nicht nur im Einzelnen vielfach fehlerhaft und im Granzen unbedeutend, sondern sie zeigt schon dadurch, dass sie nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe steht, dass sie den springenden Punct übersehen hat. . Wenn nämlich von irgend einer Seite die Nothwendigkeit einer we¬ sentlichen Modification an die „Philosophie des Unbewussten“ herantreten sollte, so würde dies am ehesten von Seiten der biologischen Descendenz- theorie der Fall ^ sein können, welche seit der ersten Abfassung meines Werks (1864 — 1867) eine damals noch gar nicht zu ahnende Tragweite ge¬ wonnen hat, und täglich zu gigantischerer Bedeutung emporwächst. Diese neue geistige Errungenschaft dem System unserer bisherigen Erkenntnisse organisch zu assimiliren, wird die wissenchaftliche Hauptaufgabe der näch- sten Generationen sein, während die Sache bis jetzt zu jung ist, um mit k icherheit den rechten Mittelweg zwischen Unterschätzung und Ueber- schätzung zu finden.