— 20 war, und es stellt sich heraus, dass zuerst nur der kleine Saitentheil vom Druckstabe bis zum Wirbel sich gedehnt hat, ohne die klingende Saite zu beeinflussen, wogegen sie aber bei der nächsten Drehung ihre Trägheit nachholte, und dann zu weit ging. So muss der Stimmer laviren und ist seiner Sache doch nie sicher. Beim kräftigen Spielen kommt’s dann vor, dass die Chore gar bald unrein werden, weil durch die heftige Erschütterung der Saiten die eine plötz¬ lich steigt, die andere fällt, je nachdem beim Vor- oder Riiekwärtsdrehen die Hemmung unter dem Druckstabe ent¬ standen ist. Der gute Stimmer wird zwar in der Regel nicht rückwärts ausgleichen, aber wenn er es in der Ver¬ zweiflung und um fertig zu werden, doch timt, so kann ihm dieser „Druckfehler“ nicht sehr hoch angerechnet werden. Die Strafe sollte eigentlich den Fabrikanten tref¬ fen — von rechtswegen. Durch einiges Losschrauben des Stabes kann zwar abgeholfen werden, aber welcher Stimmer setzt sich gerne den Folgen dieser Manipulation aus? Früher wurde bekanntlich der Druckstab nicht ange¬ wendet, er ist jedoch durch die Eisenconstruction mehr oder weniger bedingt. Das braucht aber nicht absolut zu sein, was daraus hervorgeht, dass heute noch grosse Finnen densel¬ ben ganz oder theilweise weglasscn und behaupten, Holz¬ steg mit Stiften erzeuge edleren Ton, als Eisensteg mit Druckstab. Wir können hierüber kein entscheidendes Ur- theil fällen, hingegen haben wir uns schon wiederholt beim Anblick eines von Eiseii strotzenden Pianos, das uns mit seinem „Eisenpanzer“ unwillkürlich an Panzerschiffe er¬ innerte, die Frage gestellt, ob das sogenannte eiserne Zeitalter, in dem wir leben und schweben, seine Wellen instinktartig bis in die ClaVierfabriken, diese Stätten der friedlichsten Arbeit, geworfen habe, und ob vielleicht später eine Zeit komme, da man den Eisenverbrauch in dieser Fabrikation auf das Allernothwendigste beschränke. Qui vivra, verra ! Immerhin, das sagen wir auf die Gefahr hin „be- achselzuckt“ zu werden, scheint uns die Anwendung des Eisens im Pianino auch ihre Grenze zu haben, über die man vielleicht heute schon hinausgegangen ist. Die Saiten er¬ zeugen nun einmal ihren Ton nur durch die Verbindung mit