9 geistige und körperliche Arbeit und Anstrengung dahinter zu verinuthen, Veranlassung nehmen, die Sache etwas anders anzuschauen und auch in ihrem eigenen In¬ teresse entsprechend zu handeln, so ist der Zweck dieser Zeilen erreicht. Alle jene Clavierspieler und -Spielerinnen aber, welche ein sehr feines Gehör besitzen und sich stets über die nie völlig befriedigende Stimmung ihrer Pia¬ nos grämen, denen auch die thatsächlichen Verhältnisse zufällig unbekannt waren, mögen sieh mit dem Gedanken trösten, dass ihre Kollegen und Kolleginnen sammt und son¬ ders um kein Jota besser daran sind und dass gegen etwas Unmögliches bekanntlich Götter selbst vergeblich kämpfen. Anschliessend sei uns noch gestattet, bezüglich Behand¬ lung, Standort etc. der Claviere einige Winke zu geben. 1. Vor Allem stelle man das Piano in ein völlig trockenes, massig erwärmtes Zimmer, wenn möglich an eine Nebenzimmerwand und mindestens Querhandbreite von der¬ selben entfernt, damit die Zimmerwärme auch hinten zu¬ kommen kann. Wenn der hintere Theil des Instrumentes beständig kühl und der vordere warm ist, entsteht eine Spannung, die unter Umständen üble Folgen haben kann. Zum Mindesten ist sie für die Stimmhaltigkeit ungünstig. 2. Beständige, wenn auch unbedeutende Feuchtigkeit, ist des Claviers grösster Feind. Holz, Filz, Leder, Woll¬ stoffe, welche in der Mechanik Verwendung finden, quellen langsam auf, was Störungen im Mechanismus zur Folge hat. Die Eisentheile rosten. Grosse Feuchtigkeit richtet sie zu Grunde. Feuchte Claviere klingen matt. 3. Anhaltende Zugluft schadet, sie bekommen Rheu¬ matismus, es wird ihnen ungemüthlich und sie werden „ver¬ stimmt“. 4. Von grosser Wichtigkeit ist beständig gute Stim¬ mung. Ein gutes Instrument in verstimmtem Zustande wird von einem minder guten, aber gestimmten übertroffen. Neue Claviere müssen, sollen sie für die Folge stimmhaltig blei¬ ben, in der ersten Zeit öfter gestimmt werden. Im „Abonne¬ ment“ stimmen zu lassen, ist empfehlenswerth. 5. Im Mechanismus findet an manchen Stellen trockene Reibung von Filz, Tuch und Ledertheilen statt. Da sich diese nicht, wie an Maschinen, durch „Oelen“ vermindern