— 8 Völlig befriedigend fertig wird er allerdings gar nie und wenn er eine Woche am nämlichen Clavier sitzen bliebe. Einmal muss er aufhören. Jedoch mag für Manchen der Zeitpunkt des Aufhörens eine mehr oder minder gefähr¬ liche Klippe sein. Die neueren Pianos mit ganzen Eisenrahmen sind wider¬ standsfähiger, als die altern mit Holzeonstruction, und halten die Stimmung im Allgemeinen besser. Um sich einen ungefähren Begriff von der grossen Span¬ nung zu machen, die ein Pianino (mittlerer Grösse) durch den Zug der Saiten ausziilialten hat, diene, dass, wenn man die höchste und dünnste Saite mittelst Gewicht auf die richtige Höhe bringen will, circa 125 Pfund erforderlich sind (dem Experiment haben wir selbst beigewohnt), folg¬ lich ziehen alle drei Saiten desselben Tones mit circa 375 Pfund. Sämmtliche nicht besponnenen Saiten eines gerad- saitigen Pianino’s ziehen mit ca. 300 Zentnern und die ganze Zugkraft aller Saiten möchte mit ca. 400 Ztr. nicht zu hoch gegriffen sein. Grosse, kreuzsaitige Instrumente haben, ihrem Format entsprechend, auch noch grössere Sai¬ tenspannung. Wenn wir nun noch eine Menge anderer Hindernisse, wie schleehthaltende Stimmnägel, rostige Saiten, zu stark andrttckender Klangstab, Unruhe im Zimmer, In¬ disposition ete. etc., mit denen der Stimmer zu kämpfen hat, berühi'en wollten, so müssten wir die Geduld des Lesers zu sehr in Anspruch nehmen und wir glauben genügend dar- gethan zu haben, dass der Stimmberuf mehr Ausdauer, Geduld und Selbstbeherrschung erfordert, als gewöhn¬ lich angenommen wird. Es soll auch schon mancher Stim¬ mer in Folge Nervenüberreizung sein Dasein im Irrenkause beendet haben. Wenn wir auch weit davon entfernt sind, hiermit für die Stimmer nur apologisiren zu wollen, wohl wissend, dass auch Minderkundige sich anmaassen, Claviere zu stimmen, so darf doch konstatirt werden, dass die Leistungen eines gewissenhaften Stimmers bislang im Allgemeinen ent¬ schieden weder gehörig gewürdigt noch — entsprechend bezahlt wurden, und wenn durch diese Darstellung diejeni¬ gen Clavierbesitzer, welche sich unter „Clavierstimmen“ eben weiter nichts dachten, als „Clavier st im men“, ohne