278 Hermann Gutzmann. geben vermochte, daß der Ausländer ihn ohne Mühe verstand; wie fühlte er vorher die Hemmungen bei der Wortfindung schwer; kam es ihm doch vor, als ob eine Last ihm vom Herzen fiel, wenn er den gesuchten Ausdruck endlich hatte! Ganz besonders empfindet man dies, wie gesagt, im fremden Lande, wie man andererseits nach genügender Ausbildung in der fremden Sprache geradezu schwelgt und jede Gelegenheit sucht, seine Kenntnisse an den Mann zu bringen. Auch die Umgebung hat wesentlichen Einfluß auf unseren Gefühlston beim Sprechen, der lebhaft schwankt, je nachdem uns unsere Umgebung angenehm oder unsympathisch ist. Das ist selbst bei dem Zwiegespräch der Fall. Der Stimmklang, die Schnelligkeit oder Langsamkeit des Antwortenden, die Form, in der uns Antwort erteilt wird, und vieles andere gibt der Perzeption einen mehr oder weniger starken positiven oder negativen Gefühlston mit. Wer ruhig und wohlklingend, gut akzentuiert und deutlich spricht, dem hören wir gern zu, der beeinflußt auch unsere Antwort in gleichem Sinne; der blasierte, näselnde, undeutlich und abgerissen parlierende Schwätzer stimmt unseren Gefühlston so stark herab, daß wir uns unter Umständen nicht einmal zu einer Antwort aufraffen können. Ganz absehen will ich hier von peinlichen Situationen u. a. m. Es gibt demnach Affekte, die die Sprache hemmen, und solche, die sie fördern. Das kann von der Art der ihnen zu¬ grunde liegenden Gefühle abhängen; besteht doch ganz allgemein das Gesetz zu Recht, daß Lust eine Förderung, Unlust eine Hem¬ mung körperlicher und geistiger Leistungen bewirkt. Das trifft aber doch nicht überall zu. So kann z. B. auch der freudige Affekt ebenso hemmen wie bahnen, und das gleiche ist z. B. von der Angst bekannt. („Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß.“) Den alten Ärzten war diese doppelte Wirkung der Affekte sehr wohl bekannt. So finden wir in der Darstellung der Sprach¬ störungen der Kinder von Hieronymus Mercurialis (1584) schon die verschiedenen Formen und Wirkungen der Frucht auf die Sprache klar auseinander gesetzt. Mir scheint weit mehr der Grad des Affektes von Bedeutung zu sein. So wie ein zu starker Reiz die Empfindung lähmt, z. B. taub, blind macht, so wird auch mäßige Freude, Furcht, Angst die sprachlichen Äußerungen fördern, übergroße Affekte derselben Art werden eine Hemmung ausüben. Sehr starke affektive Reize sind z. B. besonders sexuelle. Der verliebte Jüngling errötet und schweigt, die Zunge versagt ihm den