264 Hermann Gutzmann. art haben kann, lehrt u. a. die höchst komplizierte Trommel¬ sprache der Kegervölker, die erst in neuester Zeit einer ein¬ gehenderen Untersuchung gewürdigt wird (Panconcelli-Calzia; Meinhof). Daß einfache unartikulierte Laute, die sich z. B. im Lust¬ oder Unlustschrei kundtun, ja auch manche Bewegungsnach¬ ahmungen und damit verknüpfte Artikulationen (Lautgebärde) eine sehr enge Beziehung zu der ursprünglichen Gebärdensprache haben, zeigt der Umstand, daß hörstumme und taubstumme Kinder sie trotz ihrer Stummheit sehr ausgiebig be¬ nutzen. 3. Artikulierte Lautsprache. Wie der Laut sich allmäh¬ lich zum Symbol der Vorstellung entwickelt, welche Bolle dabei die Schallnachahmung, die direkte oder indirekte Onomatopöie (Wundt) spielt, wie die Klanggebärde zur Lautsprache wird, wenn sie mit der Absicht der Mitteilung der Wünsche, Begeh¬ rungen, Vorstellungen des Menschen an andere angewendet wird, wobei sie oft von Gebärden, die ein leichteres Verständnis be¬ wirken, begleitet wird *), wie die Beihilfe der Gebärdensprache mehr oder weniger zurücktritt, aber selbst bis zum heutigen Tage nicht so sehr, daß wir unsere Lautsprache gänzlich ohne Gebärde — wozu offenbar auch Mimik und Pantomime gehört — gebrauchen, das alles zu schildern, würde zu weit führen. Das ist unbestritten : die Lautsprache ist die vollendetste Art der sprachlichen Ausdrucksbewegungen. Versuchen wir nun dem Gesagten entsprechend eine synoptische Gliederung der Sprachstörungen auf Grund ihrer klinischen Sym¬ ptome, so kommen wir auf den alten Vorschlag Einklenburgs zurück, der die Störungen der Sprache in ihrer allgemeinsten Auffassung als Störungen der Zeichenbildung oder des Zeichenverständnisses ansieht (Kußmaul nannte sie Asemien = dem von mir gewählten Ausdruck Logopathien2) und halten diese Definition und das ihr l) Auch dies ist an primitiven Völkern, z. B. an Indianerstammen des nörd¬ lichsten Amerika, beobachtet, welche sich nur untereinander verständigen können, wenn sie, am Lagerfeuer sitzend, ihre seltsamen kurzen Worte ausstoßen, weil sie zum Verständnis von der Gebärde begleitet sein müssen, demnach also im Dunkeln gesprochen keine vollkommene Mitteilung möglich machen. 3) Hier möchte ich ausdrücklich bemerken, daß ich demnach den Ausdruck „Logopathien“ nicht in dem Sinne Kußmauls gebrauche, der darunter Störungen der Gedankenbildung versteht und an Geistesstörungen denkt.