12 Die Phantasie. wird man besser tun, mindestens fur psychologische Zwecke diesen schillernden Begriff der Spontaneität überhaupt zu vermeiden und entweder den Willen oder, wo es sich im Gegenteil um unwillkür¬ liche Funktionen handelt, diese selbst fur sie einzusetzen. Da es sich aber in diesem Falle niemals um eine spezifische oder auch nur um eine irgendwie vorherrschende Wirksamkeit des Willens handeln kann, sondern höchstens um eine Komplikation der Phan¬ tasie- mit der Willenstätigkeit, insofern der Wille entweder regulie¬ rend in jene eingreift oder sie ihrem eigenen Walten überläßt, so erscheint es auch hier wiederum zweckmäßiger, wenn man statt des Willens die mit diesem Eingreifen der Willensfunktionen ver¬ bundene allgemeine Bewußtseinslage zum Kriterium der Unterschei¬ dung nimmt. In diesem Sinne bilden die passive und die aktive Phantasie, die erstere für die Hingabe des Bewußtseins an die in ihm aufsteigen¬ den Phantasiegebilde, die letztere für das zeitweise Eingreifen des Willens in das Spiel dieser Gebilde, praktisch brauchbare Unter¬ scheidungen. Immerhin bleibt auch hier das Moment des Willens nur eine Nebenbestimmung, die auf Richtung und Verlauf der Phantasie¬ tätigkeit von Einfluß sein kann, selbst aber nicht zu dieser gehört. Was wir aktive Phantasie nennen, ist nur eine besondere, durch die Komplikation mit Willensfunktionen bedingte Modifikation der passi¬ ven Phantasietätigkeit. Darum ist die letztere, bei der die eigenste Natur der Phantasie eigentlich allein zur Geltung kommt und nicht die in der Regel von den Psychologen bevorzugte künstlerische Phantasie, die eine unter möglichst verwickelten Bedingungen stehende Form der aktiven Phantasie ist, das geeignete Substrat für die psychologische Analyse der Phantasietätigkeit, und jedenfalls ist sie dasjenige, das zuerst exakt untersucht und in seine Faktoren zer¬ legt sein muß, ehe eine gründliche, nicht bloß an der Oberfläche stehen bleibende Analyse der künstlerischen oder anderer höherer Formen der Phantasietätigkeit, wie der wissenschaftlichen, tech¬ nischen usw., möglich sein wird. Natürlich soll damit der praktische und teilweise auch der ästhetische Nutzen solcher auf Grund der komplexen Phänomene vorgenommener Betrachtungen nicht bestritten werden. Sie haben nicht bloß ein deskriptives und ein biographi¬ sches Interesse, sondern es liegen in ihnen auch wichtige psycho-