91 durchaus nicht nervösen. Mann, bei dem ich öfter eine wunde Stelle an der Zunge mit einem stark schmerzenden Aetzmittel be¬ handeln musste. Jedesmal trat bei dieser Operation auf dem Höhepunct des Schmerzes ein heftiger Anfall von Lachen auf, obgleich es dabei gewiss nichts zu lachen gab. — Bei einer Dame, die in Folge eines Hirnleidens an einseitiger Lähmung litt, deren geistiges Leben aber durchaus nicht gelitten hatte, war während ihrer Krankheit der eigenthümliche Fall eingetreten, dass sie jedesmal heftig zu lachen anfing, wenn man ihr eine traurige oder ärgerliche Nachricht brachte, während ihr durchaus nicht lächerlich zu Muthe war. — Man sieht leicht, dass ein Fall wie der zuletztgenannte bei genauer Analyse einen sehr ent¬ scheidenden Beitrag zur Lösung der uns hier beschäftigenden Frage liefern müsste. Leider fiel meine Beobachtung in eine Zeit, wo ich mich noch nicht eingehend mit dieser Sache be¬ schäftigte. 26. Aus der letzten Zeit liegen Experimente von Bechterew in St. Petersburg vor (s. Neurolog. Centralblatt 1888, Nr. 4), durch die B. den Beweis geführt glaubt, dass der Sehhügel „ hauptsächlich den sogenannten Ausdrucksbewegungen und den expressiven Lauten vorsteht.“ Das geht nun aus seinen Ver¬ suchen sicher nicht hervor, dagegen können dieselben allenfalls als Beweis dafür gelten, dass emotionelle Bewegungen noch zu Stande kommen können, nachdem die Hemisphären zerstört sind. 27. Da manchmal eine blosse „Erinnerung“, ohne durch irgend einen Sinneseindruck geweckt zu sein, eine Gemüthsbe- wegung hervorrufen kann, allein durch innere Hirnvorgänge, so kann der Vorgang für den Moment vielleicht doch noch einfacher sein, als in dem im Text gewählten Beispiel; immerhin ist dabei ein Vorgang in der Vergangenheit vorauszusetzen — eine Begeben¬ heit, die eine dauernde Veränderung gewisser Hirnzellen hervor¬ gebracht hat, — und dieser Vorgang muss, streng genommen, mit zu dem ganzen emotionellen Process gerechnet werden, wenn er auch durch eine Zwischenzeit vom letzten Gliede des Pro¬ cesses geschieden ist. 28. Ich weiss nicht, ob eine ähnliche Auffassung der Affecte schon früher einmal geltend gemacht worden ist; jedenfalls findet