Wiederholtes Erleben. 83 wiederholten Malen, so wird bald ein psychologischer Zu¬ stand eintreten, vermöge dessen jedesmal, wenn die be¬ treffende oder eine ähnliche Musik gehört wird, eine gefühls¬ mäßige Affektion, evtl, auch in stärkerer und deutlicherer Ausprägung stattfindet. Diese Umstände sind von um so größerer Bedeutung, als die Gefühls Verbindungen, die wir als Grundlagen oder Ausgangspunkte der weiteren Entwicklung kennen lernten, ja besonders häufig nur in einem leisen An¬ klingen, in einer Disposition, einer Einstellung be¬ stehen. Dieses gibt nun den weitesten Abstufungen Raum, und nach häufiger Wiederholung wird dies Anklingen als ein lebhafteres, deutlicher zum Bewußtsein gelangendes, gegeben sein. Aber auch die einfache Intensitätssteigerung der hervorgerufenen Gefühle wird, wenigstens teilweise, hierher zu rechnen sein. Bei denjenigen, die sich andauernd mit Musik beschäftigen, steigert sich sicherlich der Eindruck der musikalischen Schönheit. Während zunächst nur ein leichtes Wohlgefallen empfunden wurde, kann so der Ge¬ fühlserfolg der Musik zu einem höchsten Grade des Ent¬ zückens werden. Wir werden später sehen, daß an dieser Wandlung zwar sehr viele und verschiedenartige Faktoren beteiligt sein können ; gewiß ist sie aber großenteils auf eine gesteigerte Wirksamkeit zu beziehen, die die Folge eines wiederholten Erlebens ist. Der Erfolg eines solchen braucht nun aber nicht allein in der Sicherung und Befestigung eines ganz bestimmten allemal gleichen Zusammenhanges zwischen akustischen Empfindungen und gefühlsmäßigen Emotionen zu bestehen. Im allgemeinen wird hierbei zugleich eine Erscheinung ein¬ treten, die ich, im Anschluß an einen bei anderer Gelegenheit benutzten Ausdruck1), eine Expansion der Zusammen¬ hänge nennen möchte. Ist die Empfindung A mit dem emotio¬ nellen Zustande E verknüpft, so wird es vielfach dahin kom- l) v. Kries: Vom Komischen und vom Lachen. Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. Bd. 74. S. 241. 1925. (Hoche- Festschrift). 6*