Cap. 11. Ilülflosigkeit etc. 271 sie zucken mit ihren Schultern viel weniger häufig und energisch als es Franzosen und Italiener thun. Die Geberde äussert sich in allen möglichen Graden von der complicirten eben beschriebenen Bewegung bis zu einem momentanen und kaum bemerkbaren Er¬ heben beider Schultern ab, oder wie ich es bei einer in einem Lehnstuhle sitzenden Dame beobachtet habe, bis zu dem blossen unbedeutenden Seitwärtswenden der offnen Hände mit ausgespreiz¬ ten Fingern. Ich habe niemals gesehen, dass ganz kleine eng¬ lische Kinder ihre Schultern gezuckt hätten. Doch wurde der folgende Fall sorgfältig von einem ärztlichen Lehrer und ausge¬ zeichneten Beobachter beobachtet und mir von ihm mitgetheilt. Der Vater des in Rede stehenden Herrn war ein Pariser und seine Mutter eine Schottin. Seine Frau ist nach beiden Seiten von bri¬ tischer Abkunft und mein Berichterstatter glaubt nicht, dass sie jemals in ihrem Leben mit den Schultern gezuckt hätte. Seine Kinder sind in England erzogen worden, und die Wärterin ist eine Vollblutengländerin, welche man niemals die Schultern hat zucken sehen. Nun wurde beobachtet, dass seine älteste Tochter im Alter zwischen sechszehn und achtzehn Monaten mit ihren Schultern zuckte, wobei zu der Zeit ihre Mutter ausrief; „Seht „das kleine französische Mädchen, wie sie mit den Schultern zuckt!“ Anfangs that sie dies häufig, zuweilen dabei ihren Kopf ein wenig nach hinten und auf eine Seite werfend. Soweit aber beobachtet wurde, bewegte sie ihre Ellenbogen und Hände nicht in der ge¬ wöhnlichen Weise. Die Gewohnheit verlor sich allmählich wieder und jetzt, wo sie etwas über vier Jahre alt ist, sieht man nie, dass sie sie äusserte. Vom Vater sagt man, dass er zuweilen seine Schultern zuckte, besonders wTenn er mit irgend Jemand dis- putirte. Es ist aber äusserst unwahrscheinlich, dass seine Tochter ihm in einem so frühen Alter nachgeahmt hätte, denn wie mein Berichterstatter bemerkt, kann sie unmöglich häufig diese Geberde bei ihm gesehen haben. Wenn übrigens die Gewohnheit durch Nachahmung erlangt worden wäre, so ist es nicht wahrscheinlich, dass sie sobald schon wieder freiwillig von diesem Kinde und, wie wir sofort sehen werden, noch von einem zweiten Kinde aufgegeben worden wäre, trotzdem der Vater noch immer mit seiner Familie