Dreizehntes Kapitel: Die Beteiligung der fymbolifchen Empfindungen. 265 empfindungen wahrhaft und wirklich hervorbringen würden, wenn ich fie betaftete. Hier hat man es alfo mit reproduktiver Ergänzung des wirklichen Sinneseindrucks zu tun. 5. Fragt man nun nach der Stellung der fymbolifchen Em- Zugehörig- pfindung zur Einfühlung, fo kommt man hier zu einem etwas anderen Ergebnis als bei der entfprechenden Frage im elften Kapitel, wo es Empfin- üch um das Verhältnis der Bewegungsempfindungen zur eigentlichen ghSung" Einfühlung handelte. Dort konnte ich in den Bewegungsempfindungen nur eine Vorftufe der Einfühlung erblicken. Hier dagegen, wo die Einfühlung fymbolifch ift, kommt den Sinnesempfindungen eine Stellung innerhalb der Einfühlung felbft zu. Denn fie vermitteln ja die Sym¬ bolik. Sie ftellen die Annäherungsmöglichkeit zwifchen dem Farben¬ eindruck und der entfprechenden Stimmung dar. Anderfeits darf man die Verfchmelzung der Farbeneindrücke mit Die fymbo- den Empfindungsreproduktionen nicht als die Hauptfache und das ^ung^T Wefen der Einfühlung ausgeben. Durch die fymbolifche Einfühlung nicht Haupt¬ erhalten die Farben fo etwas wie ein eigentümliches Leben; es fcheint Einfühlung, etwas in ihnen zu walten und fich zu regen; etwas unterem Seelen¬ leben Verwandtes fcheint fie zu durchziehen. Es find leife oder heftige, zurückhaltende oder innige, oberflächliche oder tiefe, auf- ftrebende oder fich löfende, rückfichtslofe oder fchüchterne Stimmungen und Strebungen, was in ihnen zu leben fcheint. Kurz die Farben fehen nach einem Innenleben aus. Es ift klar, daß die fymbolifchen Empfindungen nur die Bedeutung haben, eine Annäherung hieran auszudrücken. An fich felbft bedeuten fie noch nicht den fymbolifchen Sinn der Farben. Wenn ich mit gewiffen Farben die Empfindungs¬ reproduktionen des Warmen oder Kalten, des Schweren oder Leichten, des Harten oder Weichen, des Gefunden oder Kränkelnden verbinde, fo foil damit nicht getagt fein, daß die Farben des Bildes fo gehalten feien, als ob in ihnen die entfprechenden Naturvorgänge oder Natur- eigenfchaften walteten. Nur wenn dies der Sinn der Farbenfymbolik wäre, ließe fich behaupten, daß in jenen Empfindungsreproduktionen das Wefen der Einfühlung beftände. Vielmehr müffen die Empfindungs¬ reproduktionen umgedeutet, in das Seelifche überfetzt werden, wenn Einfühlung in die Farben zu ftande kommen foil. Auf Grund der Empfindungsreproduktionen entliehen die analogen Regungen und Wallungen des Selbftgefühls, die mannigfaltigen Arten und Weifen des Zumutefeins. Dann erft ift Sinn und Ziel der Einfühlung erreicht. Die Farben fcheinen von einem gewiffen finnlich-geiftigen Lebens-