264 Zweiter Abfchnitt: Befchreibende Grundlegung der Älthetik. Sinnlich ergänzende Empfin¬ dungsrepro¬ duktionen. Die Bewegungsempfindungen zeigten fich dabei naturgemäß nur fehr wenig beteiligt. Doch ift es immerhin bemerkenswert, daß die Be¬ wegungsempfindungen nicht nur gegenüber den räumlichen Formen ihr Spiel entfalten, fondern auch zur Einfühlung in die Farben ihr wenn auch befcheidenes Teil beitragen. Für die leiblich vermittelte Einfühlung kann man hier, wie fonft, das Schema (SW+ BV) + (LE + St) gebrauchen. Dabei bedeutet das in der erften Klammer Enthaltene die eigentliche Einfühlung: Verbindung von Sinneswahrnehmung mit Be- deutungsvorftellung; das in der zweiten Klammer Enthaltene umfaßt das ftimmungsfymbolifch Hinzugefügte : die leiblich vermittelnden Em¬ pfindungen und die hieran fich knüpfende Stimmung. Oft nun ver¬ bindet ficn mit den fymbolifchen Empfindungen noch Erfahrungswiffen. Die affoziative Einfühlung kann aber auch für fich allein Vorkommen. Dann gilt das Schema: (SW + BV) + (EW + St). Hier bedeutet EW Erfahrungswiffen. Endlich gibt es zahlreiche Fälle von Farbenein¬ fühlung, wo fich unmittelbar an den Farbeneindruck die Stimmung fchließt; alfo Fälle rein optifcher Einfühlung. Das Schema müßte hier lauten: (SW -f- BV) + (St). Soweit Empfindungen als Zwifchen- glied auftreten, gefchieht dies wohl bei weitem überwiegend in der Form von Empfindungsreproduktionen. Selbft bei äußerft lebhafter Einfühlung und bei empfindungsreizbaren Menfchen gefchieht es gegenüber Farben wohl nur feiten, daß wirkliche Empfindungen die fymbolifche Vermittlung ausmachen. Übrigens muß man fich hüten, in die Farbeneinfühlung und überhaupt in die fymbolifche Einfühlung Empfindungsreproduktionen als fymbolifches Mittelglied hereinzuziehen, die als finnliehe Er¬ gänzung des Sinneneindrucks anzufehen find. Wenn ich Seide, Pelzwerk, Leder, Holz, Silber, Perlen, fei es in Wirklichkeit, fei es auf einem Bilde, künftlerifch betrachte, fo verbinden fich mit dem Gefichtseindruck reproduzierte Taft- und Temperaturempfindungen. Diefe haben aber eine völlig andere Stellung zur Einfühlung als jene Empfindungen, von denen bisher die Rede war. Wenn mir eine Farbengebung den Eindruck des Harten, Weichen, Schweren, Leichten, Kühlen, Warmen macht, fo bedeuten diefe Empfindungen nichts, was den entfprechenden Gegenftänden wirklich zukäme; fie haben lediglich die Bedeutung einer Umfetzung ins Analoge, eben eine fymbolifche Bedeutung. Dagegen befagen die reproduzierten Taft- und Temperatur¬ empfindungen, die ich beim Anblick von Seide, Pelz, Leder, Silber u. f. w. habe, daß die entfprechenden Gegenftände diefe Taft- und Temperatur-