Elftes Kapitel: Die äfthetifche Einfühlung der eigentlichen Art. 213 tifchen Gegenftand pfychologifch zu beurteilen? Wie kommt es zu diefem „Projizieren“? Und weiter erhebt fich die Frage: was ift das für eine Ver¬ knüpfung, die zwifchen dem gefchauten Gegenftand und den in ihn hineingefchobenen Gefühlen zu Hände kommt? Was liegt hierin für ein Verhältnis von Anfchauen und Fühlen vor? Ift darin nur ein in Beziehung Stehen oder eine innere Einheit gegeben? Und wie kommt diefe eigentümliche Verknüpfung von Anfchauen und Fühlen zu (lande? Wie ift fie pfychologifch zu erklären? Und auf welche Teilfunktionen ftößt man, wenn man diefe Verknüpfung zergliedert? Um eine kurze Bezeichnung zu haben, will ich die Verknüpfung der gegenftändlichen Gefühle mit dem Anfchauen des äfthetifchen Gegenftandes als äfthetifches Einfühlen bezeichnen. Ich könnte fie auch äfthetifche Befeelung nennen. Der Name „Äfthetifche Einfühlung“ hat (Ich in den äfthetifchen Schriften der Gegenwart ziemlich ein¬ gebürgert. So will auch ich ihn vorzugsweife anwenden. 2. Die äfthetifche Einfühlung ift doppelter Art: fie ift teils eigent¬ lich, teils fymbolifch. Ich verweife dabei auf die im fiebenten Kapitel diefes Abfchnittes gegebene Betrachtung über das Symbolifche. Von befonderer äfthetifcher Wichtigkeit ift die fymbolifche Einfühlung von Stimmungen, ich könnte auch fagen: die ftimmungsfymbolifche Einfühlung. Sie ergibt fich unter folgendem Gefichtspunkt. Die Stimmungen, mit denen wir die gefchauten Gegenftände erfüllen, find felbftverftändlicher Weife durchweg menfchlich. Wir, die Betrachter und Genießer, find es ja, die den betrachteten Gegen- ftänden die Stimmungen liefern. Wir fühlen nun aber eben doch menfchlich, nicht tierifch oder pflanzlich, auch nicht engelhaft oder gottheitsmäßig. Diefe untere menfchlichen Stimmungen nun laffen wir entweder in menfchliche Geftalten und Bewegungen oder in untermenfchliche Gebilde und Vorgänge einfließen. Dies Zweite ift der Fall, wenn wir unfere menfchlichen Stimmungen in tierifche und pflanzliche Gebilde, in die Dinge der unlebendigen Natur, in die Erzeugniffe menfchlicher Gefchicklichkeit oder endlich in die einfachen finnlichen Beftandteile und Verhältniffe in der Natur und in deren willkürliche Verknüpfungen (Ton-, Farben-, Formenverbindungen) hineinlegen. In dem erften Fall deckt fich das Eingefühlte mit dem gefchauten Gegenftände: beide Seiten paffen zufammen, den menfch¬ lichen Geftalten und ihren Bewegungen kommt es ihrer eigentlichen Natur nach zu, mit menfchlichen Stimmungen befeelt zu fein. Dies Ein¬ fühlung. Stim- mungsfym- bolifche Ein¬ fühlung.