56 Recapitulation. Fassen wir recapitulirend Alles zusammen, so haben wir auf der objektiven physiologischen Seite die beiden Molekular-Processe der Anhäufung vorräthiger Arbeit durch Bildung komplexer Verbindungen und der Auslösung von lebendiger Kraft durch Reduktion der komplexeren Verbindungen in einfachere — Ersatz und Ver¬ brauch — negative und positive Molekular-Arbeit Auf der subjektiven psychischen Seite dagegen be¬ gegnen wir den beiden Processen der Selbsterhaltung und Veränderung, der anpassenden Gewöhnung und des Kontrastes. Auf beiden Seiten ist jedes Glied des Gegensatzes ebenso wesentlich für die Fortsetzung des organischen Processes als das andere. Auch so noch werden wir die beiden Gegensatzpaare nicht einfach parallel zu setzen haben, d. h. wir werden nicht einfach sagen: in jedem einzelnen Falle und in aller Strenge entspricht die Gewöhnung dem negativen Molekular-Processe, der Ansammlung von Spann¬ kräften, der Kontrast dem positiven Molekular-Processe, dem Verbrauche. Wohl aber wird dies im Allgemeinen und im Grossen und Ganzen allerdings der Fall sein, dass dem Ueber- wiegen des negativen Processes die Gewöhnung dem Ueberwiegen des positiven der Kontrast entspricht. Die den Organismus umgebenden Medien, die äusseren Reize, bilden eine Kette — oder vielmehr, was richtiger ist, ein aus zahllosen nach allen Richtungen durcheinanderlaufendes unendlich vielfältiges Gewebe fortwährender Molekular-Ver¬ änderungen. In dieses Gewebe oder Netz von Veränderungs- Reihen ist der Organismus, selbst ein Veränderliches, selbst ein Gewebe von Molekular - Processen, hineingestellt; und die ihn konstituirenden Atome und Moleküle befinden sich mit den Uebrigen zunächst im gewöhnlichen physisch - chemischen Wechselverkehr. Was als Neues hinzukommt, ist eben jener negative Molekular-Process, die Ansammlung vorräthiger Arbeit in bestimmter Form und in hochkomplicirten Verbindungen. Dieselbe stellt sich uns dar als ein den physikalischen Agentien geleisteter Widerstand, als eine neue, besondere organische