124 Theodor Lipps. Ganze wird. Von einer anderen Eigenart meines Tuns, d. h. des numerischen Zusammenfassens als derjenigen, die darin be¬ steht, daß das eine Mal zu 7, das andere Mal zu 8, ein drittes Mal zu 9 usw. zusammengefaßt wird, ist am Ende hier über¬ haupt nicht die Rede. Es ist, um noch deutlicher zu sein, die Anzahl von 7 Bäumen, wenn wir, wie wir hier tun, nur an das denken, was die Anzahl als solche charakterisiert, die gleiche Anzahl, wie die Anzahl von 7 Häusern. Freilich sind jenes 7 Bäume und dieses 7 Häuser. Aber das Bäumesein und das Häusersein gehört eben zur Eigenart nicht des Aktes, den ich vollbringe, sondern der Gegenstände, die mir dazu Ge¬ legenheit oder Anlaß geben. Und die Frage lautet nun, ob dieser Akt in seiner Eigenart und demnach auch in seinem Ergebnis durch die Beschaffenheit der Gegenstände, an denen er geübt wird, die also er vorfindet, bestimmt sei oder nicht- Ist es aber so, daß die Siebenheit von Bäumen die gleiche Siebenheit ist wie die Siebenheit von Häusern, oder daß 7 Bäume das gleiche numerische Ganze sind wie 7 Häuser, dann scheint diese Frage bereits verneinend beantwortet. Bleiben wir bei unserem Beispiel einer numerischen Zusammenfassung oder der Bildung einer numerischen Anzahl oder eines numerischen Ganzen, so wissen wir, mögen die Bäume Bäume sein oder nicht und mögen sie in sich selbst so oder anders geartete Bäume sein, so oder so gestaltet oder gefärbt, mögen sie groß sein oder klein, jung oder alt, wirklich oder nur g'edacht, dies alles braucht die Eigen¬ art unserer numerischen Zusammenfassung und ihres Ergebnisses nicht zu ändern. Und doch ist die Eigenart des numerischen Ganzen durch das zu ihm Zusammengefaßte bestimmt. Nicht daß die Bäume, die ich sehe oder vorstelle, Bäume sind und nicht etwa Häuser, wohl aber, daß ich nicht an ihnen die Blätter zähle, macht die Anzahl zu der bestimmten. Diese würde, wenn das Zusammengefaßte die Blätter wären, eine sehr viel größere, in jedem Falle also eine Anzahl von anderer Eigenart sein. • Gewiß ist auch die tatsächlich von mir getroffene Auswahl Sache meiner Willkür, aber sie ist die für die Bestimmtheit der Anzahl notwendige Voraussetzung und insofern von ihr vor-