278 Die Gefühle. träge, abläuft. Ich fühle mich ebenso anders, wenn ich stark, als wenn ich nur wenig von dem, was ich erlebe oder vorstelle, in Anspruch genommen bin; anders in der inneren Ausfüllung, als in der inneren Leere. Ein ausgeprägtes Gefühl der letzteren Art ist die Langeweile. Sie ist ein Unlustgefühl aus dem Widerstreit zwischen dem Be¬ dürfnis intensiverer psychischer Betätigung und dem Mangel der Anregung dazu, bzw. der Unfähigkeit, mich dazu anregen zu lassen. Damit geht zugleich Hand in Hand der Mangel der Konzentration: Langeweile ist ein interesseloses Hin- und Hergehen. Der Grund der allgemeinen Weisen des psychischen Lebens¬ ablaufes, die in solchen allgemeinen Zustandsgefühlen sich kund¬ geben, liegt in erregenden oder lähmenden Nachwirkungen einzelner Erlebnisse, oder in — psychologisch nicht weiter riickführbaren — Steigerungen oder Lähmungen der Energie der einzelnen Vor¬ stellungen bzw. der Energie oder Funktionsfähigkeit der Einheits¬ beziehungen zwischen denselben, oder in körperlichen Zuständig¬ keiten, die in einer psychischen Gesamtzuständlichkeit sich spiegeln. XX. Kapitel; Das Strebungsgefühl und die höheren Gefühle. Strebungs- und Selbstgefühl. Von den logischen und den Affektgefühlen unterschieden wir oben, als dritte Hauptgattung der Gefühle, die des Strebens und des strebenden Fortgehens. Dieselben sind, wie wir bereits wissen, Gefühle der größeren oder geringeren Energie des Strebens, anderer¬ seits des stärkeren oder schwächeren Spannungscharakters desselben, Gefühle des positiven Strebens und des Widerstrebens, des aktiven und des passiven Strebens, Gefühle des mutlosen oder des mutigen, des bedenklichen oder des unbedenklichen Strebens, Gefühle der »Schwebe«, des Vorziehens, des Schwankens zwischen Strebungen, andererseits der größeren oder geringeren Freiheit, Sicherheit, Ge¬ wißheit des Entschlusses oder Entscheides, Gefühle des Wollens, des Tuns, des Erleidens, des geübten und des erlittenen Wider¬ standes. Wie soeben angedeutet, gehören hierhin auch manche der psychologischen Intellektualgefühle, etwa das Gefühl der Geneigt-