154 Die Erkenntnis. Wahrscheinlichkeit der Geltung oder Nichtgeltung, und zwar der größeren oder geringeren Wahrscheinlichkeit derselben, je nach dem Grade der Wahrscheinlichkeit der beiden Forderungen, d. h. je nach dem Umfange der Möglichkeitsurteile, welche sie in sich schließen; oder, was nach obigem Dasselbe sagt, je nach der Menge der Determinationen des fordernden Gegenstandes, welche die Forde¬ rung, und der Menge derjenigen Determinationen desselben, welche die Gegenforderung stellen. Auch diese Bewußtseinserlebnisse sind das Ergebnis einer unterordnenden Verschmelzung, nur eben nicht einer absolut unterordnenden. * Dabei ist das Wahrscheinlichkeits- oder Unwahrscheinlichkeits- bewußtsein jedesmal bezogen auf die Forderung, deren Inhalt ich zum apperzeptiven Schwerpunkt mache oder subjektiv überordne. Zu¬ gleich fragt es sich aber jedesmal, wie ich apperzipierend zu den Gründen und den Gegengründen mich verhalte, ob ich die einen oder die anderen apperzipierend bevorzuge oder speziell apperzipiere, also in den apperzeptiven Schwerpunkt mit hineinnehme, ob ich also den Inhalt der Forderung bzw. der Gegenforderung unter dem Gesichtspunkt der Gründe oder der Gegengründe betrachte. Je nachdem entsteht mir ein Bewußtsein der Wahrscheinlichkeit oder der Unwahrscheinlichkeit. Hat die Forderung, auf deren Inhalt ich speziell achte, oder deren Inhalt ich zum apperzeptiven Schwer¬ punkt mache, die größere Wahrscheinlichkeit, so gewinne ich in der antithetischen Einheitsapperzeption oder aus der antithetischen unter¬ ordnenden Verschmelzung das Bewußtsein der positiven Wahrschein¬ lichkeit der Geltung dieser Forderung oder das Bewußtsein der Unwahrscheinlichkeit ihrer Ungültigkeit, je nachdem ich in dieser Ein¬ heitsapperzeption die Gründe für diese Forderung oder die Gegen¬ gründe gegen dieselbe in den apperzeptiven Schwerpunkt mit hineinnehme. Hat jene Forderung die geringere Wahrscheinlich¬ keit, so entsteht mir unter der gleichen Voraussetzung das Bewußt¬ sein der Wahrscheinlichkeit der Nichtgeltung jener Forderung oder der Unwahrscheinlichkeit der Geltung derselben. Hiermit sind jedes¬ mal qualitativ verschiedene Bewußtseinserlebnisse bezeichnet.